Bottoms – Kritik zum Film auf Amazon Prime Video: Wenn die Schule zum Fight Club wird

TitelBottoms
Genre Komödie
Jahr2023
FSK18
RegieEmma Seligman

Starttermin: 21.11.2023 (Prime Video)

Der queerer High School Fight Club

Mit ihrem Regie- und Drehbuchdebüt “Shiva Baby” gelang Emma Seligman einer der intensivsten und unangenehmsten Filmerlebnisse der vergangenen Jahre. Obwohl sich die jüdisch-queere Coming-of-Age-Geschichte klar dem Comedy-Genre zuordnen ließ, bestach sie mit das Nervenkostüm attackierender Spannung, als eine Art noch jüdischere, weibliche Antwort auf die Safdie Brüder (“Uncut Gems – Der schwarze Diamant”). Für ihr zweites Werk, die in Deutschland exklusiv über Prime Video veröffentlichte Highschool-Komödie “Bottoms”, packt Seligman das Judentum etwas zur Seite, um sich stattdessen voll und ganz der Weiblichkeit und dem Queersein zu widmen – wenn auch überraschend anders und weitaus derber als man zunächst denken könnte.

Bottoms ©Orion Pictures

Und darum geht es…

Dass PJ (Rachel Sennott) und Josie (Ayo Edebiri) als Außenseiterinnen an ihrer High School gelten, hat mit ihrer Homosexualität nichts zu tun. Sie sind halt “hässlich und untalentiert“, wie die beiden selbst feststellen. Da es sich als überaus schwierig gestaltet, in ihrer Position als Geächtete an die hübschen Cheerleaderinnen zu geraten, von denen sie schwärmen, überlegen sie sich einen Plan: Nach einer Auseinandersetzung mit dem Star-Quarterback Jeff (Nicholas Galitzine), die mit einem gebrochenen Bein seitens des Footballspielers endete, eilt den Freundinnen ein Ruf als „knallharte Kerle“ voraus, den sie nun für sich nutzen wollen. Sie gründen einen Selbstverteidigungskurs für Mädels ihrer Schule, in der Hoffnung, so den beliebten Schulschönheiten Brittany (Kaia Gerber) und Isabel (Havana Rose Liu) näherzukommen. Dieser entwickelt sich jedoch schnell zum brutalen Fight Club – aber auch zum Türöffner in die Schlafzimmer ihrer Schwärme!

Bottoms ©Orion Pictures

Politisch korrekte Inkorrektheit

Auch wenn sich das Genre der zottigen Teenie-Komödie über die vergangenen Jahre merklich gewandelt hat und Filme wie die American Pie-Reihe heute eher als problematisch gelten, hat sich eines nicht geändert: am Ende geht es darum, endlich einen Stich zu laden, oder um dem politisch unkorrekten Duktus der nach hübschen Cheerleaderinnen lechzenden “Bottoms”-Protagonistinnen treu zu bleiben: Lesbische Nerds sind eben auch nur Jungs. Die Frage, wie sich die zelebrierte Derbheit in Seligmans queerem High School Movie mit dem Thema Feminismus vereinbaren lässt, stellt sich zu keinem Zeitpunkt. Herrliche politische Inkorrektheit und gesellschaftlich relevante Botschaften schließen sich schließlich nicht aus.

Bottoms ©Orion Pictures

Nachdem Olivia Wild in ihrer Teeniekomödie “Booksmart” quasi ein weibliches Abbild der Kult-Comedy “Superbad” geschaffen hat, geht “Bottoms” noch einmal einen Schritt weiter und macht sich die absurde over the top-Eigenschaft einer Persiflage der Marke “Nicht noch ein Teeniefilm!” zu eigen, ohne sich dabei jedoch von unzähligen anderen Teenie Sex-Klamotten zuvor abzuheben. Seligmans Film ist voller verrückter Details und angesiedelt in einer surreal-komischen Parallelwelt, in der toxisch männliche Footballspieler, egal wo sie sich befinden, stets in voller Sportmontur anzutreffen sind, Schüler in Käfigen gehalten werden und ein brutaler Fight Club inmitten des normalen Schulbetriebs schulterzuckend gebilligt wird. Pointiert sind die Gags selten und wenn, dann leiden sie oft an Fehlzündungen. “Bottoms” lebt vielmehr von den permanenten Ausdünstungen einer absurden Komik – große Lacher hingegen bleiben aus.

Bottoms ©Orion Pictures

Fazit

Frech, aber nie frech genug. “Bottoms” liefert einen spannenden Gegenentwurf zu Filmen wie “American Pie” oder “Superbad”, wenngleich er sein durchaus vorhandenes Potenzial nie ganz ausspielen kann!

Bewertung: 3 von 5.

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