Rustin – Kritik

TitelRustin
Genre Biopic, Drama
Jahr2023
FSK12
RegieGeorge C. Wolfe

Starttermin: 17.11.2023 (Netflix)

Der Mann hinter Martin Luther King

Der Name Martin Luther King Jr. ist mindestens genauso bekannt wie seine berühmte Rede „I Have a Dream“. Bayard Rustin hingegen dürfte hierzulande den Wenigsten ein Begriff sein. In seiner Eigenschaft als eine der Schlüsselfiguren in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung des 20. Jahrhunderts war er unter anderem Organisator des historischen „March on Washington for Jobs and Freedom“ im Jahr 1963 und ebnete damit Martin Luther King Jr. den Weg für seine weltverändernden Worte. Trotz seines immensen Beitrags war Rustin auch mit Herausforderungen konfrontiert. Seine Homosexualität diente als Nährboden für Diskriminierung und führte dazu, dass sein Einfluss in der Bewegung oft unterschätzt oder gar übersehen wurde. “Rustin” soll dies nun ändern…

Rustin ©David Lee/Netflix

Und darum geht es…

1963: Als einer der engsten Vertrauten von Martin Luther King Jr. (Aml Ameen) teilt Bayard Rustin (Colman Domingo) die Ansichten seines Bürgerrechtskollegen King vollumfänglich. Befeuert von der Fernsehansprache des US-Präsidenten John F. Kennedy, über die von ihm angestrebte Gleichberechtigung aller ethnischen Minderheiten, plant der durch seine Homosexualität weiteren Anfeindungen ausgesetzte Mann einen Marsch, der schon bald in die Geschichte eingehen wird, als einer der wichtigsten Tage im Kampf gegen Rassendiskriminierung. Doch der Weg bis dahin ist steinig!

Rustin ©David Lee/Netflix

Netflix auf Oscar®-Kurs?

Ein emotional aufgeladenes Thema, nüchtern vorgetragen: Um zu realisieren, dass die Schwarze Geschichte genügend emotionalen Zündstoff bietet, bedarf es keiner filmischen Aufarbeitung, schließlich ist nichts grausamer als die traurige Realität. Und doch eignet sich das Medium Film hervorragend als Katalysator für einen komplexen Gefühlscocktail aus Wut, Mitgefühl und Hoffnung, sowie als Mahnmal für begangene Fehler und nicht zuletzt auch als Aufklärung, Sensibilisierung und energisches Wachrütteln. “Nächster Halt: Fruitvale Station”, “Till” oder “12 Years a Slave” sind nicht nur verdammt wichtige Filme, sondern auch verdammt berührend – George C. Wolfes “Rustin” ist das nicht, wenngleich es ihn dadurch nicht weniger wichtig macht.

Rustin ©David Lee/Netflix

Dass Netflix mit ihrem Original Oscar®-Ambitionen verfolgt, ist offensichtlich. “Rustin” ist kalkulierter Oscar®-Bait in Reinform, dürfte abgesehen von seinem überzeugenden Hauptdarsteller Colman Domingo (für eine Nominierung könnte es reichen) aber kaum Chancen bekommen, sich bei den nächsten Academy Awards durchzusetzen. Dafür ist das unaufdringliche Biopic viel zu sachlich vorgetragen und mit seiner beschwingt leichtfüßigen Art weder unterhaltsam noch emotional involvierend genug. Statt sich mit Rustins Homosexualität zufriedenstellend auseinanderzusetzen und den Mann hinter Martin Luther King tierfergehend zu beleuchten, versteift sich “Rustin” viel zu sehr auf den wenig spektakulären hin zur Bürgerrechtsbewegung. Was bleibt sind viele Figuren, viele Dialoge und doch wenig Gehalt – und vor allem sehr wenig Rustin.

Rustin ©David Lee/Netflix

Fazit

Mal abgesehen vom überzeugenden Hauptdarsteller, können die Oscar®-Ambitionen seitens Netflix als gescheitert betrachtet werden!

Bewertung: 2.5 von 5.

Wie hat Dir „Rustin“ gefallen?

Das könnte Dich auch interessieren!