| Titel | 15 Jahre |
| Genre | Drama |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 12 |
| Regie | Chris Kraus |
Kinostart: 11.01.2024
Eine bittersüße Symphonie
Achtzehn Jahre nach „Vier Minuten“ erhalten wir „15 Jahre“. Autorenfilmer Chris Kraus ist auf den verspäteten Sequelzug mit aufgesprungen, um mit einer neuen Intensität aufzuwarten, statt bloßen Fanservice zu leisten – falls jemand den Vorgängerfilm kennt. Da die deutsche Filmlandschaft kaum ansprechende Seiten anzubieten hat, sticht der Mix aus Rache-/Liebesfilm, Musikdrama, TV-Show-Satire, und Migrantencomedy automatisch als bemerkenswert hervor. Die symphonischen Stimmungswechsel von „15 Jahre“ entsprechen die der Hauptfigur Jenny, virtuos vielseitig verkörpert von Rückkehrerin Hannah Herzsprung.

Und darum geht es…
Ausnahmepianistin Jenny (Hannah Herzsprung) wird nach der titelgebenden Zeit aus dem Knast entlassen, in dem sie unschuldig für einen Mord saß, den ihr damaliger Punk-Lover begangen hat. Jenny sucht vergebens ihren Frieden in einer Diakonie. Sie lernt den einarmigen Syrer Omar (Hassan Akkouch) kennen, mit dem sie ihre Musikleidenschaft teilt und sich nach anfänglicher Ablehnung dafür entscheidet, mit Omar an einer Talentshow für geistig und körperlich Behinderte teilzunehmen. Und wer sitzt des dramaturgischen Willens in der Jury? – Jennys Ex-Lover, der als Gimmiemore (Alberecht Schuch) Karriere gemacht hat.

Verdient nicht alle Hörnchen
Neben der Musik, sind es die ambivalenten Charaktere, die „15 Jahre“ tragen. Nach langer Rollenabwesenheit darf man Hannah Herzsprung als gepeinigte Kinderseele, die ins Leben zurückzufinden versucht und unwillentlich Dämonen ihrer Vergangenheit beschwört, Lobpreisungen verpassen. Herzsprung spielt Jenny asozial, unb(e)rech(en)bar, verletzlich, und talentiert zugleich. Es ist nicht zwingend erforderlich, „Vier Minuten“ zu sehen, kann trotz dessen vor- oder nach „15 Jahre“ hilfreich sein, um Jennys Charakter zu begreifen.

Albrecht Schuch hinterlässt ebenso bleibenden Eindruck, als Ex der durch Jennys Wiederkehr mit seinem alten Ich konfrontiert wird, das er durch Gimmiemore zu begraben versucht hat. Gimmiemore erscheint zunächst verabscheuungswürdig und man gönnt ihm seine Bestrafung, bis man ihn mit seinem Baby auf der Gitarre sieht, und spätestens bei seiner Geheimnisoffenbarung kann man Mitgefühl mit dem reuevollen Gimmiemore empfinden. Hassan Akkouch spielt den schicksalsgeplagten und hoffnungsfrohen Musiker Omar, der aufgrund seiner lockeren Art und mangelnder Deutschkenntnisse für heitere Momente sorgt, durch seine Lebensstory auch emotionale Einlagen zu verantworten hat.

Langatmiges Soapniveau-Klagelied
Schuld, Strafe, Vergebung – die Motivklassiker des Storytelling, auch in „15 Jahre“ zentrale Themen. Der Storyverlauf wirkt soapniveauartig designt und mit einer Lauflänge von zweieinhalb Stunden wird der Film Deutschdramaabgeneigten so lang wie sein Titel vorkommen. Für einen öffentlich-rechtlich-geförderten Mittwochabendstreifen hätte „15 Jahre“, eventuell um eine Stunde kürzer, vollkommen ausgereicht. Die psychisch/physische Wuchtigkeit greift, genau wie beim Erstling, sofern man nicht härteren Tobak gewohnt ist. Zu erwähnen sind die wenigen, jedoch mangelhaften CGI-Einsätze, wie die des Löwen und der Armamputation. Der Score und die Musikeinlagen der Darsteller bieten hingegen einen Ohrenschmaus und erwecken mehr Gefühle als die Story.

Fazit
Ambivalente Figuren, gespielt von überzeugenden Darstellern, in einer zu lang geratenen Stimmungswechsel-Schmonzette.
Wie hat Dir „15 Jahre“ gefallen?

