| Titel | Moon Garden |
| Genre | Drama, Horror, Fantasy |
| Jahr | 2023 |
| FSK | nicht geprüft |
| Regie | Ryan Stevens Harris |
„Moon Garden“ ist im Rahmen des WEIRD WEEKENDER International Genre Film Festivals zu sehen.
Alice im Komaland
Die junge Filmlandschaft lässt die Vermutung zu, dass Marvel und DC das Monopol für visuelles Erleben besitzen. Wenn man sich nicht hin und wieder mit bescheidenen Erwartungen im verborgenen Terrain umsieht, verpasst man womöglich visuell beeindruckende Seltenheiten, die bekanntlich von minderqualitätsbesorgten und kostenintensivspektakelabhängigen Massenmitläufern ignoriert werden. Zu solch einem Weirdness-Sehnsuchtsstiller kann das Fantasy–Horror–Drama „Moon Garden“ von Ryan Stevens Harris definitiv gezählt werden.
Und darum geht es…
Als die kleine Emma (Haven Lee Harris) bei ihrem Elternstreitgespräch-Lausch entdeckt wird, fällt sie nach dem Treppensturz ins Koma und findet sich in einer bedrohlichen Fantasiewelt wieder.

Vorbilderwürdigende (Alp)Traumbilder
Rückbesinnende Filme haben eine neue Nischen-Ära eingeläutet und bereits die Einblendung vom Oscilloscope-Logo weckt nostalgische Feelings an das klassische Logo der Universal Studios und das von 20th Century Fox zuletzt in den 1960ern verwendete Breitbildformat CinemaScope. Geboten wird „Moon Garden“ im grobkörnigen VHS-Look und ist einer dieser Filme, die man als Kind versucht hat anhand des Covers zu erklären und nach mehrmaligem Schauen des Films immer noch nicht weiß, worum es geht. „Moon Garden“ beginnt als Familiendrama bis zur Postenübergabe an den Fantasyhorror. Das Unterbewusstsein lässt beim fortschreitenden Erleben von „Moon Garden“ Kindheitserinnerungen an die Oberfläche gelangen. Es sind Gedenken an „Alice im Wunderland“, „Nightmare on Elm Street“, an die obskure Symbollastigkeit von David Lynch, ans industrielle Setdesign von Terry Gilliam und Jean-Pierre Jeunet, und an Schreckensszenarios mit Kindern wie bei Steven Spielberg und Guillermo Del Toro. Obwohl „Moon Garden“ eine geringere Finanzspritzendosis als seine Einflussquellen abbekommen hat, bietet die Komaodyssee visuelle Einfälle von handgemachter Qualität wie Stop-Motion oder 2D-Animation unter minimal erkennbarer Verwendung von CGI. Ryan Stevens Harris schafft eine bedrohliche und gleichzeitig faszinierende Atmosphäre im Einklang mit der in der Realität zutragenden Familienkrise. Das fesselnde Sounddesign passt sich den farbabwechslungsreichen Bildern an. Die surrealen Elemente lassen entweder mehrfach interpretierbare Deutungen zu oder sind letztenendes bloß Fragmente von undefinierbaren Träumen des Regisseurs.

Kinder in Gefahr sind ein altbewährtes Mittel für Mitgefühl und Spannung, und die an Drew Barrymore in Kinderschuhen erinnernde Haven Lee Harris liefert eine überzeugende und lobenswerte Performance als Emma ab. In wenigen Szenen zeigt sie einen unangebracht fröhlichen Gesichtsausdruck und asynchrone Schreie sind zu hören, was beabsichtigt sein kann, um die Traum-Irrationalität zu verdeutlichen und sollte nicht schwer ins Gewicht fallen, wenn man das Alter von Haven Lee Harris (schätze nicht älter als 12) und den Inhalt von „Moon Garden“ bedenkt. Auch die Darsteller der Eltern überzeugen in wenigen Szenen. „Moon Garden“ ist die Bestätigung, dass man mit Orientierung auf Filmprozesse vergangener Tage etwas erreichen kann, dass sich in Zukunft noch bestaunen lässt. Wer grotesken Filmen wohlgesonnen ist, kann das moderne Schauermärchen „Moon Garden“ mit Gewissheit zu einem der faszinierendsten Retrofilmerfahrungen der Gegenwart zählen.

Fazit
„Moon Garden“ ist eine bedrohliche und gleichzeitig faszinierende Komaodyssee mit Vorbilderverneigung und Nostalgiefaktor.
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