Inside – Kritik

TitelInside
Genre Thriller
Jahr2023
FSK12
RegieVasilis Katsoupis

Heimkinostart: 06.10.2023

Verschollen im Hightech-Apartment 

Robinson Crusoe, der gestrandete Held von Daniel Defoes berühmtem Roman, sah sich auf seiner einsamen Insel einer Fülle von Herausforderungen gegenüber. Einsam und von der Zivilisation abgeschnitten, kämpfte er gegen die Elemente, suchte nach Nahrung und Trinkwasser, trotzte wilden Tieren und erlitt die Qualen der Einsamkeit – und doch überwand Crusoe diese Prüfungen mit Beharrlichkeit und Erfindungsreichtum. Seine Geschichte ist eine Ode an den menschlichen Überlebenswillen und die Fähigkeit des Geistes, selbst in der abgeschiedensten Wildnis zu triumphieren. Für den im Thriller “Inside” in einem Hightech-Apartment völlig von der Außenwelt abgeschotteten Willem Dafoe wäre dieser Ort vermutlich das Paradies auf Erden gewesen – in seinem betonfarbenen Gefängnis wartet jedenfalls nur der Wahnsinn auf ihn!

Inside ©SquareOne Entertainment

Und darum geht es…

Nemo (Willem Dafoe) gehört zu den besten seines Fachs. Als Kunstdieb ist ihm kein Job zu riskant. Doch als das Hightech-Sicherheitssystem des luxuriösen Penthouse, in dem er sich gerade befindet, plötzlich den gesamten Wohnkomplex abriegelt und selbst der Funkkontakt zu seinem Komplizen abbricht, sieht er sich plötzlich in einer ausweglosen Lage. Das Wasser abgestellt, die Klimaanlage defekt und der Kühlschrank leer, beginnt für Nemo ein Überlebenskampf inmitten unbezahlbarer Kunstwerke, die ihm langsam den Verstand zu rauben drohen…

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Die Willem Dafoe-One-Man-Show 

Im Grunde funktioniert “Inside” wie ein filmgewordener Escape Room und nimmt das Publikum zunächst einmal mit auf eine Erkundungstour durch eine piekfeine, mit wertvollen Gemälden ausgestattete Wohnlandschaft, die dem Begriff goldener Käfig eine ganz neue Bedeutung verleiht. Doch statt als spaßiges Miträtseln auf der Suche nach Hinweisen für einen möglichen Ausweg aus der verzwickten Lage, erweist sich der Thriller als intensives, sich auf die Zuschauer*innen übertragendes Ganzkörpererlebnis. Eine physische wie psychische Tour de Force begleitet von einem ansteckenden Gefühl von Hunger, Durst, Hitze und letztlich auch Ausweglosigkeit. Trotz der Weitläufigkeit des noblen Gefängnisses stellt sich schnell ein klaustrophobisches Gefühl ein. Die Hitze ist ebenso spürbar wie die Verzweiflung und die Langeweile, die sich nach der intensiven ersten Hälfte in gewisser Weise leider auch seitens des Publikums breitmacht – nicht alles überlagern, aber durchaus vorhanden.

Inside ©SquareOne Entertainment

Wer, wenn nicht Willem Dafoe eignet sich besser für eine charaktergetriebene One-Man-Show wie dieser? Der „Spider-Man“-Star stemmt den psychologischen Thriller wie erwartet mühelos auf seinen hageren Schultern und entpuppt sich als eines der tragenden Elemente von „Inside“. Wenn er als verzweifelter Schiffbrüchiger, verschollen im Großstadtmeer, mit ansehen muss, wie sich der prasselnde Regen außerhalb der Panzerglasfensterfront am Boden sammelt, während die Leitungen innerhalb der Wohnung keinen Tropfen Wasser spendieren, gibt es, für das rationale Problem Durst zwar bald eine Lösung, für die Einsamkeit und den aufkeimenden Wahnsinn jedoch nicht. Von der Außenwelt isoliert, ohne soziale Kontakte, wird selbst der, die Räumlichkeiten durch einen Smart-Kühlschrank beschallende, eigentlich unerträglich Party-Smash-Hit „Macarena‘ zum erfrischenden Unterhaltungsprogramm. Wenn Nemos gemächlich schwindender Geist später den Eskapismus in die Kunst wählt – die surrealen Gemälde an der Wand laden schließlich selbst bei klarem Verstand förmlich dazu ein – verliert“ Inside“ einen großen Teil seiner fesselnden Wirkung.

Inside ©SquareOne Entertainment

Fazit

Betonwände statt einsame Insel: Ein klaustrophobischer Suvivalthriller hinter den Wänden eines piekfeinen Nobel-Penthouses!

Bewertung: 3 von 5.

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