The Elderly – Kritik

TitelThe Elderly
Genre Horror
Jahr2022
FSK16
RegieRaúl CerezoFernando González Gómez

Heimkinostart: 27.10.2023

Die Rache der vergessenen Greise!

Das Horrorgenre ist von Haus aus dafür prädestiniert, gesellschaftliche Probleme und Ängste auf metaphorische Weise darzustellen und wird dementsprechend nicht selten dafür genutzt, um der Gesellschaft den sprichwörtlichen Spiegel vorzuhalten. Auch der spanische Horrorthriller „The Elderly“ bildet da keine Ausnahme. Doch statt sich aktiv mit den durchaus vorhandenen Problemen im Umgang mit der immer älter werdenden Bevölkerung auseinanderzusetzen, verfallen Raul Cerezo und Fernando González Gómez – das Regieduo hinter „Passages“ – schnell in altbekannte Genrekonventionen und finden eher ärgerliche als hilfreiche Erkenntnisse zum brisanten Themenspektrum rund um die mangelhafte Inklusion älterer Menschen.

Elderly ©Lighthouse Home Entertainment

Und darum geht es…

Während eine rekordverdächtige Hitzewelle das Land ins Schwitzen bringt, sieht sich Mario (Gustavo Salmerón) mit einem weitaus größeren Problem konfrontiert. Seit sich seine Mutter das Leben nahm, baut sein Vater Manuel (Zorion Eguileor) sowohl körperlich als auch geistig immer weiter ab. Kurzerhand beschließt er, Manuel bei sich und seiner Familie aufzunehmen, um sich fortan um seinen Vater zu kümmern. Doch der benimmt sich von Tag zu Tag seltsamer und auch die anderen Senior*innen aus der Nachbarschaft tun es ihm gleich. Ehe Mario sich versieht, bricht für ihn und seine Familie die Hölle auf Erden aus…

Elderly ©Lighthouse Home Entertainment

Die Spannung erliegt der Altersschwäche

Darüber, dass das Kindsein weder so etwas wie eine Erbschuld mit sich bringt, noch mit einer uneingeschränkten Verantwortung für diejenigen, die uns eins das Leben „schenkten“ einhergeht, ist man sich heutzutage eigentlich einig. Wer ein Kind in diese Welt setzt, „beschenkt“ sich schließlich selbst – und nicht umgekehrt. Nimmt man sich nun aber „The Elderly“ zu Herzen, könnte man beinahe das Gefühl bekommen, man wäre des Teufels Saat persönlich, wenn man sich nicht rund um die Uhr und zu einhundertzehn Prozent für seine betagten Eltern aufopfert. Das Pflegeheim als grausamer Ort und letzte Station vor dem Tod – quasi ein Auffangbecken lästiger Greise – einzig und alleine dafür da, herzlosen Kindern die Last der senilen Erzeuger*innen abzunehmen. Dabei wären die realen Probleme der von der Gesellschaft vergessenen Personengruppe der Alten eigentlich die perfekte Grundlage für eine nuancierte Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Elderly ©Lighthouse Home Entertainment

In seiner Botschaft ist „The Elderly“ platt, undifferenziert und am Ende sogar regelrecht nichtssagend. Etwas muss sich ändern. Aber was? Wer sich für die Inszenierung als sozialkritischer Slowburner entscheidet, muss auch liefern – wenn schon keine Antworten, dann zumindest interessante Fragen. Demgegenüber lässt auch der Horror auf das Einlösen seines Versprechens warten. Während zu Beginn noch die Grundsteine für eine atmosphärische Gruselstimmung gelegt werden, liegt diese spätestens ab der Hälfte der Spielzeit brach, ehe das Szenario am Ende dann sogar in trashige Gefilde abdriftet. Auch wenn „The Elderly“ dabei nie komplett in die unfreiwillige Komik abdriftet, beißt sich diese Entscheidung doch stark mit der vorangegangenen Ernsthaftigkeit. Immerhin der thematisch ähnlich angelegte und inhaltlich dabei genauso misslungene Netflix Original „Old People“ zeigte, dass es noch ein gutes Stück albernen geht. Was bleibt, ist eine im Ansatz gelungene Atmosphäre, die von der Last der hölzernen Dialoge und den schemenhaft angedeuteten stereotypen Figuren schnell in sich zusammenbricht.

Elderly ©Lighthouse Home Entertainment

Fazit

Seltsame Botschaft, kaum Grusel und dafür viel Leerlauf!

Bewertung: 1.5 von 5.

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