| Titel | El Conde |
| Genre | Komödie, Horror |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 18 |
| Regie | Pablo Larraín |
Starttermin: 15.09.2023 [Netflix]
Das etwas andere Netflix Original über einen blutsaugenden Vampir-Diktator!
Eine reale Geschichte fiktional erzählt: Dass der chilenische General Augusto Pinochet selbstverständlich kein Vampir war, sollte auf der Hand liegen. Seine Taten als Machthaber Chiles, die er während seiner diktatorischen Amtszeit von 1973 bis 1990 begangen hat, fielen hingegen nicht minder menschenverachtend und blutrünstiger aus, als die eines aus Film und Fernsehen bekannten Blutsaugers. Durch einen Militärputsch an die Macht des Landes gelangt, ließ Pinochet seine Gegner systematisch verfolgen und schreckte dabei weder vor Folter noch Mord zurück. Da machen ein bisschen Blutsaugen und Herzenverspeisen den Bock auch nicht mehr fett…

Und darum geht es…
2006: Nach einer 27-jährigen Amtszeit verstarb der chilenische Diktator Augusto Pinochet (Jaime Vadell). So lauten zumindest die offiziellen Meldungen. Als unsterblicher Vampir ist Pinochet in Wirklichkeit jedoch putzmunter – und das bereits seit mehr als 250 blutgetränkten Jahren. Heute, fast 20 Jahre seit seinem vorgetäuschten Tod, hat der einstige Diktator die Lust an seiner Existenz verloren. Er beschließt, auf den Konsum des ihm Kraft und Leben spendierenden Blutes unschuldiger Opfer zu verzichten, um langsam aus dem Leben zu scheiden. Erst die Begegnung mit einer jungen, französischen Buchhaltungsexpertin (Paula Luchsinger) erweckt ihn ihm neue Lebensgeister und lässt ihn mit neuem Enthusiasmus auf seine Gräueltaten zurückzublicken – ganz zum Ärger seiner Familie, die es auf das reichhaltige Erbe des Vampir-Diktators abgesehen hat!

Kunstvoll aufpolierter Trash in kontrastreichem Schwarzweiß!
Während dem 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Abraham Lincoln für den comichaft überzeichneten Action-Blockbuster „Abraham Lincoln Vampirjäger“ eine aberwitzige Hintergrundgeschichte als – der Titel verrät es bereits – Vampirjäger angedichtet wurde, dreht Regisseur Pablo Larrain den Spieß einfach um, um macht aus dem 2006 verstorbenen chilenischen Diktator Pinochet kurzerhand einen uralten Blutsauger. Kein schlechter Vergleich! Nach Lady Diana („Spencer“) und Jacky Kennedy („Jackie“) widmet sich Larrain hierfür bereits zum dritten Mal der realen Geschichte einer wichtigen politischen Figur, erweitert diese jedoch um eine selbstverständlich frei erfundene übernatürliche Ebene samt ausladenden Gewaltexzessen und einer allumfassenden satirischen Note. So etwas hat man auf Netflix schon lange nicht mehr zu sehen bekommen – und eigentlich auch woanders nicht!

Wenn sich Titel“held“ Augusto Pinochet , der wie im echten Leben natürlich alles andere als ein Held ist, als Darth-Vader-Eske Kreatur durch die abgelegenen Seitengassen der nächtlichen Großstadt mordet, um seinen Opfern die Herzen aus den Körpern zu schneiden, sich an deren Blut zu laben, Schädel mit grobschlächtigen Hämmern zu pulverisieren und Hälse von Köpfen zu befreien machen die überzeichnete Gewalttaten für sich betrachtet schon einmal großen Spaß. Gerade der Kontrast zu den künstlerischen Schwarzweißaufnahmen und den enthusiastisch aufspielende Streichern, verleiht der im Grunde trashigen Prämisse einen besonderen Flair und schafft dadurch etwas Neues – etwas Eigenwilliges. Trash trifft Kunst, Kunst trifft Trash. Beides passt. Bedauerlicherweise liegt der Fokus jedoch bei einem allzu generischen Familienkonflikt inklusive Erbschaftsstreitigkeiten und den damit eingehenden Intrigen. In diesen Momenten zieht sich „El Conde“ leider immer öfter, während die meist inhaltsleeren Dialoge oft krampfhaft sarkastisch, dabei aber selten lustig und unterhaltsam geraten sind.

Fazit
Kunst trifft Trash, Geschichte trifft Fiktion – und „El Conde“ zwar nicht den Nagel auf den Kopf, dafür aber einen ganz besonderen Nerv! Das verrücktes Netflix Original des Jahres!
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