Rotting in the Sun – Kritik

TitelRotting in the Sun
Genre Komödie, Drama
Jahr2023
FSK16
RegieSebastián Silva

Starttermin: 15.09.2023 / MUBI

Hashtag Todessehnsucht

Vorschlag: Wieso statt sich vom x-ten Hollywood-Blockbuster nach Schema-F – wie “Transformers: Aufstieg der Bestien” oder “Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ – wieder einmal enttäuschen lassen, nicht einfach mal etwas Neues wagen? Wie das geht? Statt lautem Krachbumm im seelenlosen Multiplex-Kinocenter beizuwohnen, einfach mal das nächstgelegene Programmkino aufsuchen, oder sich beim Streamingdienst MUBI umschauen und sich dort von einer echten Indie-Perle wie “Rotting in the Sun” überraschen lassen. Nach der Premiere im Rahmen des Sundance Film Festivals hat es die tiefschwarze, selbstreferenzielle Indie-Komödie des chilenischen Regisseurs Sebastián Silva zwar nicht in die deutschen Lichtspielhäuser geschafft, dafür aber auf MUBI – und das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!

Rotting in the Sun ©MUBI

Und darum geht es…

Den Großteil seiner Kreativität als Filmemacher schöpft Regisseur Sebastián Silva (Sebastián Silva) aus seinen depressiven Gedanken. Doch gerade will ihm selbst künstlerisch nicht gelingen – was bleibt, sind finstere Gedanken und eine intrinsische Todessehnsucht. Bei einem Wochenende an einem in Mexiko berühmten wie berüchtigten Strand, an dem sich die nudistische Schwulen-Community für Sex, Party und Drogen trifft, hofft er endlich den Kopf freizubekommen. Auch wenn Sebastián das dortige Aufeinandertreffen mit dem lebensbejahende, extrovertierte Influencer Jordan Firstman (Jordan Firstman) aufgrund dessen überschwängliche Art eher abschreckt, als zusagt, stimmt er Jordans Bitte zu, mit ihm an dessen neuen Projekt zu arbeiten – das Geld ist schließlich mehr als knapp zurzeit. Für die Zusammenarbeit macht sich Jordan auf den Weg nach Mexico-City, um dort mit Sebastián in dessen Apartment an seinen Ideen zu werkeln. Doch von dem Regisseur ist keine Spur – lediglich seine sichtlich überforderte Reinigungskraft Veronica (Catalina Saavedra) erwartet ihn…

Rotting in the Sun ©MUBI

Penisse in allen Farben und Formen

Sebastián Silva, der sich selbst spielt – oder vielmehr eine Karikatur seiner selbst – ist eine bedauerliche Gestalt. Mit Ketamin als ständiger Wegbegleiter, vom Leben regelrecht angeekelt und den Tod als zuckersüße Erlöserin und Dreh- und Angelpunkt seiner Gedankenwelt, fristet er ein semi-erfolgreiches Künstlerdasein. So sehr Sebastián mit der Flucht ins ewige Nichts liebäugelt – Zitat: „nur Optimisten begehen Selbstmord“ – würde er diesen drastischen Weg nie für sich wählen. Doch dann schlägt die bis dato fast schon dokumentarische, unmittelbar eingefangene Aneinanderreihung von skurril-unterhaltsamen Momentaufnahmen zwischen expliziten, detailverliebten Sexszenen, schwarzhumorigen Beobachtungen und frontaler Penis-Schau plötzlich eine ganz andere Richtung ein und „Rotting in the Sun“ verlagert nicht nur seine Perspektive, sondern auch gleich das gesamte Genre.

Rotting in the Sun ©MUBI

Die Entwicklung vom nervösen Selbstzerstörungstrip, authentisch gefilmt, ungeschönt ehrlich und unangenehm humorvoll, zum nicht minder skurrilen und mindestens doppelt so spannenden Krimi / Thriller – „Rotting in the Sun“ ist irgendwie beides und doch nichts davon – kommt unerwartet. Glücklicherweise geht es aber auch von da an nicht weniger nihilistisch zur Sache. Neben dem sich selbst spielenden Regisseur Sebastián Silva wird auch Autor und Social-Media-Star Jordan Firstman die Ehre zuteil, sich selbst zu verkörpern – ebenfalls in überspitzter Form. Als Zerrbild des Prototypen “Influencer” ist gerade seine Entwicklung und die damit einhergehende Dekonstruktion der vermeintlich perfekten Instagram-Welt nicht nur darstellerisch ein absolutes Highlight – und das in einem Film, der quasi ausschließlich von Highlight zu Highlight hangelt. Ein echter Geheimtipp!

Rotting in the Sun ©MUBI

Fazit

Eine pechschwarze Meta-Komödie: Spannend, authentisch und überaus zeigefreudig!

Bewertung: 4 von 5.

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