Organ Trail – Kritik

TitelOrgan Trail
Genre Western, Horror
Jahr2023
FSK18
RegieMichael Patrick Jann

Starttermin: 02.09.2023 / Paramount+

Kompromissloser Western zwischen „The Nightingale“ und „Bone Tomahawk“

Es ist nun knapp acht Jahre her, dass S. Craig Zahler dem Western-Genre mit seinem ultrabrutalen Genre-Hybriden „Bone Tomahawk“ eine angenehm düstere Frischzellenkur spendierte. Die ungewöhnlich entschleunigte Art, mit der sich der „Brawl in Cell Block 99“-Regisseur dem klassischen Stoff des Genres annäherte, in Verbindung mit dem kompromisslos harten Horror-Finale, ist bis heute einzigartig. Dass der ausgefallene Mix aus Cowboyfilm und Kannibalen-Schocker in gewissermaßen auch für Michael Patrick Janns „Organ Trail“ Pate gestanden haben muss, scheint irgendwie naheliegend. Auch wenn sich beide Filme die höchstmögliche Altersfreigabe (FSK 18) teilen, gibt es dafür bei der Punktewertung eine massive Diskrepanz. Gewalt alleine macht eben noch lange keinen guten Film!

Organ Trail ©Paramount

Und darum geht es…

Montana, Ende des 1900 Jahrhunderts: Abby Archer (Zoé De Grand Maison) und ihre Familie nehmen den beschwerlichen Weg durch die eisigen Weiten des Landes in Kauf, um im Westen ein neues Leben zu beginnen. Als sie die schwer verletzte Cassidy (Olivia Grace Applegate) inmitten einer von zahlreichen Leichen gepflasterten Siedlung entdecken, nehmen sie die Verwunderte bei sich auf. Ein böser Fehler! Mit ihrer Rettungsaktion rufen Abby und ihre Familie Logan (Sam Trammell), den skrupellosen Mann hinter dem Massaker, auf den Plan – und mit dem ist alles andere als gut Kirschen essen! 

Organ Trail ©Paramount

Immerhin in Sachen Altersfreigabe ebenbürtig

Auch wenn der traditionelle Rache-Plot zunächst eher Erinnerungen an das ebenfalls ziemlich derbe Western-Drama „The Nightingale“ weckt – auch hier gab es von der FSK keine Jugendfreigabe – ist der „Bone Tomahawk“-Vergleich vermutlich der treffendere. Ähnlich wie S. Craig Zahler scheint auch Michael Patrick Jann hinter seinem offenkundig im Western-Genre verorteten Film gewisse Horror-Ambitionen zu verfolgen. Wie diese mal genau ausgesehen haben müssen, lässt sich nach der Sichtung des Paramount+ Originals jedoch nur noch vermuten. Blut scheint hierbei jedenfalls eine große Rolle gespielt zu haben, ebenso wie das Etablieren eines nahezu unmöglich zur Strecke zu bringenden Antagonisten, der in bester Jason Vorhees- und / oder Michael Myers-Manier einfach immer wieder aufsteht – allen Schusswaffen, lodernden Flammen und ähnlich todbringenden Gefahren zum Trotz. Aber ist das nun wirklich Horror, oder einfach nur schlecht geschriebenes B-Movie-Einerlei?

Organ Trail ©Paramount

Schenkt man dem konstruierten Skript – hier reiht sich ein unglaubwürdiger Zufall an den nächsten – und der erschlagen hohen Anzahl an Logiklöchern glauben, tendiert die Antwort definitiv in Richtung Zweitgenannten! Trotz aller Bemühungen, mehr als das zu sein, erweist sich „Organ Trail“ als absolut generischer B-Movie-Reiße – und ist dabei lange Zeit vor allem eines: ereignislos. Während der ähnlich lethargisch erzählte „Bone Tomahawk“ – in diesem Fall ein Kompliment – die ruhigen Momente für die Etablierung einer bedrückenden Atmosphäre nutzt, weiß Jann die sich durch das gemächliche Tempo öffnenden Möglichkeiten nicht zu nutzen. Nach einem beklemmenden Auftakt war es das also erst einmal mit dem Unbehagen. Stattdessen springt die unfokussierte Geschichte fortan von Nebenschauplatz zu Nebenschauplatz, ohne dabei einer klaren Dramaturgie zu folgen. Die Figuren bleiben blass, die Darsteller*innen sowieso und selbst die expliziten Gewaltszenen verpuffen wirkungslos. Brutalität ohne Gravitas, die zum reinen Selbstzweck verkommt. Wenn „Organ Trail“ nach eineinhalb doch eher geerdeten Minuten am Ende doch noch komplett ins Absurde abdriftet, herrscht eigentlich nur noch Ratlosigkeit.

Organ Trail ©Paramount

Fazit

Lauer Rache-Western, dessen einzig echter Berührungspunkt mit dem Horrorgenre die abgenutzten Klischees sind!

Bewertung: 2 von 5.

Wie hat Dir „Organ Trail“ gefallen?

Das könnte Dich auch interessieren!