Rodeo [2023] Kritik

TitelRodeo
Genre Drama
Jahr2023
FSK16
RegieLola Quivoron

Heimkinostart: 28.09.2023

Verbrannter Gummi und große Träume

Nachdem die junge Französin Lola Quivoron im vergangenen Jahr mit ihrem Regiedebüt „Rodeo“ bei den Filmfestspielen von Cannes den „Coup de Coeur“-Award in der Sektion „Un Certain Regard“ abstauben konnte, gibt es das authentische Biker-Drama nach einer kleinen Kinoauswertung in wenigen Wochen auch im Heimkino zu sehen. Dabei gelingt dem kleinen Indiefilm das Kunststück, etwas auf die Mattscheibe zu transportieren, das große Hollywood-Blockbuster wie die „The Fast and the Furious“-Reihe lange Zeit vergeblich versucht haben: die unverfälscht echte Leidenschaft für die Straße!

Rodeo ©Plaion Pictures

Und darum geht es…

Immer wenn sie dem tristen Alltag der französischen Banlieues entfliehen möchte, schwingt sich Julia (Julie Ledru) auf ihr Bike. Nichts auf Erden gibt ihr ein ähnliches Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung. Da sie weder Geld für einen fahrbaren Untersatz noch für Benzin hat, muss sie kreativ sein, wenn es um die Ausübung ihrer einzig wahren Leidenschaft geht. Erst als sie bei einem Treffen der örtlichen Motorradszene, die sich immer wieder illegal auf öffentlichen Straßen für waghalsige Stunts zusammentun, Anschluss findet, ist sie endlich angekommen. Als einziges weibliches Mitglied muss sie sich jedoch zuerst einmal gegenüber ihren größtenteils toxisch maskulinen Kollegen beweisen, was in einem waghalsigen Plan mündet, der eigentlich nur schiefgehen kann…

Rodeo ©Plaion Pictures

Wheelies in die Freiheit!

Julia ist ein echter Adrenalinjunkie – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn sie sich mit ihrem Bike für ein paar Liter Benzin, wie eine Drogenabhängige auf der Suche nach dem nächsten Schuss, durch die Menge bettelt, verleiht das dem Kompositum Adrenalinjunkie einen unerwartet traurigen Unterton. Lächeln sieht man die junge Frau ausschließlich, wenn ihr der peitschende Fahrtwind durch das zerzauste Haar weht, während der röhrende Auspuff unter ihrem Körper ihr ganz persönliches Lied von Freiheit in die Welt hinaus brüllt. Wer selbst noch nie auf einem Motorrad gesessen hat, kann dieses Gefühl weder kennen noch sich herbeisehnen – dank der unmittelbaren, mitreißenden Inszenierung von Lola Quivoron.

Rodeo ©Plaion Pictures

Wo wir nun auch bei der größten Stärke des bleihaltigen Indie-Dramas angelangt wären: dem ansteckenden Enthusiasmus. Um Jonah Hills Coming-of-Age Geschichte “Mid90s” zu fühlen, bedurfte es bereits keinerlei Berührungspunkte mit der Skaterszene – und bei Lola Quivorons Motorrad-Drama “Rodeo” und dem Biken ist das nun nicht anders. Getragen von einer fast schon dokumentarischen Authentizität, die durch die lebensnahe Handkamera und dem glaubwürdigen Cast – Hauptdarstellerin Julie Ledru ist eigentlich eine erfolgreiche Motorradfahrerin und keine Schauspielerin – noch einmal bestärkt wird, transportiert sich die Leidenschaft der Figuren eins zu eins auf das Publikum. Lediglich im entschleunigten Mittelteil, der lange Zeit auf der Stelle zu treten scheint, verliert “Rodeo” dann doch noch einiges von seiner mitreißenden Sogwirkung, nur um im Finale dann doch noch einmal so richtig Gas zu geben!

Rodeo ©Plaion Pictures

Fazit

Abgase, Benzin und verbrannter Gummi. Ein sprithaltiges Indie-Drama, das man förmlich auf der Zunge schmecken kann!

Bewertung: 3.5 von 5.

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