| Titel | Everyone Will Burn |
| Genre | Horror, Drama |
| Jahr | 2021 |
| FSK | 16 |
| Regie | David Hebrero |
Heimkinostart: 25.08.2023
Feuer mit Feuer…
Ob Regan MacNeil in „Der Exorzist” (1973) oder der junge Damien Thorne in „Omen” (1976) – Kinder in der Antagonistenrolle waren und sind bis heute ein beängstigendes und schockierendes Element, welches in der Geschichte des Horrorfilms immer wieder für Angst und Schrecken sorgt. Wenn sich der Inbegriff der Unschuld und Reinheit plötzlich als ungeahnte finstere Bedrohung entpuppt, erzielt dies häufig eine deutlich größere Schockwirkung als jede von Grund auf mit dem Bösen assoziierte Horrorgestalt – ob Zombie oder Serienkiller. Auch die kleine Lucía im spanischen Horrordrama “Everyone Will Burn” hinterlässt ein ähnlich mulmiges Gefühl – der eigentliche Film hingegen weniger…

Und darum geht es…
María José (Macarena Gómez) hat mit dem Leben abgeschlossen und ist bereit zu gehen. Seit dem Tod ihres Sohnes gibt es nichts mehr, dass sie auf Erden hält. Bereit, sich in den Tod zu stürzen, steht sie am Abgrund, als hinter ihr die Stimme eines kleinen Mädchens ertönt. Woher das völlig verschmutzte und verwahrloste Kind namens Lucía (Sofía García) hergekommen ist, weiß sie nicht, nur dass es ihre Hilfe braucht. Schnell zeigt sich, dass das Mädchen über übersinnliche Kräfte verfügt, die sich mit einer alten Legende decken, die sich schon lange in ihrer kleinen Gemeinde erzählt wird. Es scheint so, als wäre Lucía nur ihretwegen aufgetaucht, um sich mit ihrer Hilfe an den Bewohner*innen ihres Heimatdorfes zu rächen – die waren nämlich alle nicht unschuldig am Tod von Marías Sohn.

Die Rache einer trauernden Mutter!
Ein starker Auftakt: In den ersten Minuten macht es “Everyone Will Burn” dem bis über beide Ohren strahlenden Kunden des vermutlich bekanntesten Werbespots der 90er-Jahre gleich (zu finden unter dem Titel: “Mein Haus, mein Auto, mein Boot”), als dieser voller Stolz Fotos seines Hab und Guts auf den Tisch klatscht und seinen verdutzten Gegenüber damit schwer beeindruckt. Meine Kinematografie, meine Bildgestaltung, meine Kostüme! Wenn David Hebrero im Sekundentakt neue schlagkräftige Argumente auf den Bildschirm schleudert und damit die Aussicht auf zwei Stunden suspensreichen und atmosphärischen Ausnahme-Horror gibt, ist man als Fan außergewöhnlichen Horrors direkt involviert. Das sieht schon alles ziemlich fantastisch aus! Wenn das Ganze dann schließlich in einen morbiden Tötungsakt zweier Polizisten mündet, ist das Publikum am Haken – doch David Heberor kappt einfach die Leine.

Selbst wenn im späteren Verlauf immer wieder das Genie der ersten Viertelstunde durchblitzt – meistens dann, wenn Lucía ihre Widersachen auf kreative und schwarzhumorige Art und Weise dahinrafft – erweist sich der Bärenanteil (also knapp 1,5 Stunden) als ödes, fehlgeschlagenes Horrordrama ohne Tiefgang, Emotionen, vor allem aber ohne Suspense, Atmosphäre und Spannung. “Everyone Will Burn” verliert die interessante Geschichte rund um Lucía und María José völlig aus den Augen und zerfasert in nicht enden wollenden, inhaltsleeren Subplots voller bedeutungsschwangeren Gefasel über Prophezeiung, Religion und Vorhersehung. Egale Nebenfiguren drängen sich in den Vordergrund, der schwarze Humor verflüchtigt sich und mit ihm auch die Hoffnung auf den in den ersten Minuten in Aussicht gestellten Horror-Geheimtipp.

Fazit
Nach dem bärenstarken Auftakt leider eine einzige Enttäuschung!
Wie hat Dir „Everyone Will Burn“ gefallen?

