| Titel | Lost City – Das Gesetz der Straße |
| Genre | Sci-Fi, Drama |
| Jahr | 2021 |
| FSK | 16 |
| Regie | Alessandro Celli |
Heimkinostart: 28.07.2023
Mad Max Kids
Du bist gezwungen, dich in einer Welt zurechtzufinden, die vollständig von der Zivilisation verlassen wurde. Die Jagd nach Nahrung ist zu einem täglichen Kampf geworden. Es gibt keine Supermärkte mehr und auch keine Landwirtschaft, die die Menschen versorgt. Wenn du hungrig bist, musst du selbst auf die Jagd gehen oder vielleicht sogar deine Nachbarn bestehlen. Fragt man den KI-Textgenerator Neuroflash nach der Beschreibung einer post-apokalyptischen Welt, ist dies eine von vielen Vorschlägen, die die Künstliche Intelligenz parat hält. Auch wenn sich der italienische Regisseur Alessandro Celli für die Entwerfung der Zukunftsvision seines dystopischen Dramas “Lost City – Das Gesetz der Straße” ähnlich wenig Mühe gemacht haben dürfte, ist ihm dennoch ein interessanter Film gelungen!

Und darum geht es…
Italien. In einer nicht allzu fernen Zukunft ist das Land in zwei Klassen gespalten. Während die italienische Stadt Taranto zur von kriminellen Vereinigungen bewohnten Geisterstadt verkommen ist und selbst von der Polizei weiträumig gemieden wird, lassen es sich die Reichen an der Küste gut gehen. Für die Waisenkinder Pietro und Cristian ist es schon lange ein Traum, Teil der Bande des berüchtigten Verbrechers Testacalda zu werden. Nach einem erfolgreich ausgeführten Job steht dem nun nichts mehr im Wege. Doch die Veränderungen stellen die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe – mit ungewissem Ausgang.

Die Welt, sie geht unter und mit ihr eine Freundschaft
In seiner dystopischen Coming-of-Age-Geschichte “Lost City – Das Gesetz der Straße” nimmt Alessandro Celli das Publikum mit in eine in kontrastreiches Orange getauchte post-apokalyptische Welt, die sich eigentlich gar nicht so groß von der heutigen unterscheidet. Während sich die privilegierte Oberschicht an paradiesischen Stränden die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, fristen die Ärmsten der Armen ein trostloses Dasein in den Trümmern der Gesellschaft. Überleben statt Leben. Das Versprechen eines glaubhaften Endzeitszenarios kann das Drama dabei jedoch nie ganz einlösen. Der Dystopie fehlt es an charakteristischen Eigenschaften und Details, um ein greifbares Gefühl für die Welt zu erzeugen. Einzig die giftige Schwaden in den Himmel blasenden Schornsteine eines heruntergekommenen Stahlwerks, das sich am Horizont wie ein dunkles Mahnmal erhebt, lässt erahnen, in was für einer Zukunft wir uns hier eigentlich befinden.

Als Parabel auf den Zerfall des Landes durch Faktoren wie Umweltverschmutzung, Armut und allgemeiner Orientierungslosigkeit, unter dem gerade die Jugend zu leiden hat, ist „Lost World – Das Gesetz der Straße“ dementsprechend nur bedingt geglückt. Dem gegenüber steht dafür eine mitreißende Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden – stets auf der Suche nach einem Platz in einer zerstörten Gesellschaft – die dem Thema wiederum deutlich gerechter wird und im Rahmen eines sich im Hier und Jetzt angesiedelten Settings vermutlich deutlich besser aufgehoben wäre. Zum Glück verliert die genaue Verortung nach dem wenig erfolgreichen Versuch eine an „Mad Max“ angelehnte Stimmung aufzubauen, nach einer bestimmten Zeit an Bedeutung und macht Platz für das Wesentliche. Denn immer dann, wenn sich „Lost City – Das Gesetz der Straße“ auf die beiden Freunde konzentriert und der künstliche Look zugunsten natürlicher Bilder weicht, ist das Drama am besten.

Fazit
Der italienische Endzeitfilm enttäuscht in der Darstellung seiner Dystopie, kann dafür aber mit einer spannenden Geschichte über den Verfall einer Freundschaft überzeugen!
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