Ogre – Der Fluch [2021] Kritik

TitelOgre – Der Fluch
Genre Horror, Drama
Jahr2021
FSK16
RegieArnaud Malherbe

Heimkinostart: 27.07.2023

Folk-Horror mit leisen Tönen

Die kindliche Fantasie ist nahezu grenzenlos. Durch abenteuerliche Kinderaugen wird die Deckenburg aus Kissen und Bettlaken zu einer steinernen Festung, im unerbittlichen Kampf gegen feuerspeiende Echsen und der heimische Garten in einen Märchenwald, den es für Stunden zu erkunden und bestaunen gilt. So magisch diese alleine durch die Kraft der Gedanken heraufbeschworenen Welten auch sein können, so furchteinflößend sind sie, kommt die kindliche Angst mit ins Spiel. Im Horrordrama „Ogre – Der Fluch“ manifestiert sich diese Furcht in Form einer schrecklichen Bestie…

Ogre – Der Fluch ©Plaion Pictures

Und darum geht es…

Nach einer toxischen Beziehung mit dem Vater ihres achtjährigen Sohnes Jules kehrt Chloé dem Stadtleben den Rücken, um in einem idyllischen Dörfchen in der Provinz einen Neuanfang zu wagen. Eine neue Stelle als Lehrerin, eine Romanze mit dem Arzt der kleinen Gemeinde und die malerischen Kulissen der unberührten Natur sind genau die Abwechslung, die sie gerade braucht. Doch das kleine Dorf birgt auch ein schreckliches Geheimnis: ein spurlos verschwundenes Kind und mehrere übel zugerichtete Kälber lassen auf eine dunkle Bedrohung schließen, die in Form einer mysteriösen Albtraum-Gestalt plötzlich in Jules steht…

Ogre – Der Fluch ©Plaion Pictures

Gibt es das Monster unter dem Bett wirklich?

Im Fantasy-Drama „Blaze“ war es eine paillettenbesetzte Drachendame, die einem jungen Mädchen Zuflucht vor einer, die Grenzen des kindlichen Verstandes sprengenden Tat bot. Doch die Kraft der Fantasie ist für ein Kind nicht immer eine heilende, und kann sich auch in das komplette Gegenteil entwickeln. Ob das Monster unter dem Bett nun real ist, oder nicht, spielt dabei keine Rolle – die Angst ist es allemal. So ergeht es auch Jules, der, gezeichnet von häuslicher Gewalt, im neuen Liebhaber ihrer Mutter eine Bedrohung sieht. Die fremde Umgebung, ein Ausgang über ein vermisstes Kind und massenweise totes Vieh am Waldrand reichen aus, damit die Fantasie des Jungen einen Automatismus entwickelt und sich verselbstständigt – hin zu einer surrealen und doch greifbaren Angst. An dieser Stelle nimmt der Horror in „Ogre – Der Fluch“ dann seinen subtilen Lauf, im Wechselspiel mit märchenhaften Visionen.

Ogre – Der Fluch ©Plaion Pictures

In „Ogre – Der Fluch“ sind die Grenzen zwischen Realität und Fantasie fließend. Ob die furchteinflößende Kreatur, die Jules in seinen Träumen verfolgt, ist zweitrangig. Der Mysteryfilm hält sich zwar alle Optionen offen, bedient sich der dunklen Präsenz jedoch in erster Linie, um eine andere Geschichte – die der kindlichen Angst – zu erzählen. Anders als etwa das artverwandte Horrordrama „Der Babadook“ bleibt „Ogre – Der Fluch“ in Jules Charakterisierung als verunsichertes Kind oft schwammig und unterfüttert den horror-esken Eskapismus nur vage mit Informationen. Wer nicht akribisch genug zwischen den Zeilen liest, bleibt ratlos. Auch die Ausflüge in den Folk-Horror sind zurückhaltender Natur und gehen nur in den seltensten Momenten über dezentes Unbehagen hinaus. Wenn die französisch-belgische Koproduktion auf den letzten Metern dann doch noch mit einem fantasiereichen, atmosphärischen Finale aufwartet, kann „Ogre – Der Fluch“ endlich seine Karten ausspielen. Etwas zu spät, aber immer noch kraftvoll!

Ogre – Der Fluch ©Plaion Pictures

Fazit

Ein subtile Horrordrama!

Bewertung: 3 von 5.

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