| Titel | Nocebo |
| Genre | Mystery, Horror |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Lorcan Finnegan |
Heimkinostart: unbekannt
„Nocebo“ gibt es aktuell ausschließlich als kostenpflichtiges VoD-Release auf diversen Streamingseiten zu sehen.
Nebenwirkungen des Kapitalismus
Wenn die Möglichkeiten der westlichen Medizin erschöpft sind, greifen viele Patient*innen nach jedem Strohhalm, den sie greifen können. In “Nocebo” findet eine britische Geschäftsfrau in der traditionellen Heilkunde einer spirituellen Filipina endlich die Hilfe, nach der sie gesucht hat – mit ungeahnten Nebenwirkungen.

Und darum geht es…
Christine ist eine erfolgreiche Designerin von Kindermode. Seit einem tragischen Vorfall vor wenigen Monaten geht es ihr zunehmend schlechter. Aufgrund einer mysteriösen Krankheit scheint sich ihr körperlicher und geistiger Zustand immer weiter zu verschlechtern, was sich auch an wiederkehrenden Gedächtnislücken bemerkbar macht. Als die philippinische Haushaltshilfe Diana eines Tages vor ihrer Tür steht, kann sie sich nicht daran erinnern, die junge Frau eingestellt zu haben, und doch erweist sie sich als absoluter Glücksgriff. Neben ihrer Tätigkeit im Haus, sind es vor allem ihre traditionellen Rituale, die Christine in ihren Krankheitssymptomen endlich Linderung verschaffen. Doch mit der Verbesserung ihres Gesundheitszustands offenbart sich auch ein schreckliches Geheimnis…

Sozialkritik im Mystery-Mante
Nachdem Lorcan Finnegan in seiner eher kryptischen Gesellschafts-Parabel „Vivarium“ das vermeintliche Vorstadt-Idyll dekonstruierte, hat sich der irische Filmemacher für seinen jüngsten Ausflug in die Welt des Surrealen ein neues brandheißes Thema zur Brust genommen. Für seine im Horrorgenre angesiedelte Kapitalismuskritik „Nocebo“ bedient sich Finnegan eher grobschlächtiger Mittel und klopft dabei den eigentlich interessanten Subtext mit dem Holzhammer platt. Dass sich das Thema durchaus subtiler und auch homogener in ein filmisches Gewand einflechten lässt, haben ebenfalls lose im Genre verortete Werke wie der südkoreanische Oscar®-Gewinner „Parasite“ oder der satirische Thriller „The Menu“ längst bewiesen. Die eher ungelenk-plumpe Metaphorik bremst den ohnehin schon etwas schwerfälligen Mysteryfilm immer wieder aus.

Zwischen philippinischer Folklore und psychologischem Horror. “Nocebo” lässt nicht nur die Grenzen verschiedener Subgenre vermischen, sondern springt auch erzählerisch zwischen zwei Zeitebenen hin und her. Inwieweit sich diese für die Auflösung des Mysteriums am Ende treffen, lässt sich nach wenigen Minuten durchschauen und wirkt doch arg konstruiert. Lorcan Finnegan scheint mehr daran interessiert zu sein, auch jeder noch so kleinen Metapher eine Erklärung zu liefern, anstatt seine Bilder einfach für sich stehenzulassen. Dabei wird versäumt, sowohl visuell als auch atmosphärisch besondere Akzente zu setzen. Eva Green agiert solide. Mark Strong ist halt dabei. Und so entpuppt sich “Nocebo” trotz interessanter Ausgangslage als wenig nachhaltiges Seherlebnis – fast so wie die scharf angeprangerte Fast-Fashion-Industrie.

Fazit
Als Horrorfilm ebenso bedingt geglückt wie als beißende Sozialkritik!
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