| Titel | The Five Devils |
| Genre | Drama, Fantasy |
| Jahr | 2022 |
| FSK | 12 |
| Regie | Léa Mysius |
Kinostart: 13.04.2023
Der Duft der Vergangenheit
Seit ihrer phänomenalen Performance im kontroversen Meisterwerk „Blau ist eine warme Farbe” an der Seite von James Bond-Darstellerin Léa Seydoux gehört Adèle Exarchopoulos mit zu den spannendsten jungen Darsteller*innen, die die Filmwelt aktuell zu bieten hat. Auch wenn die schöne Französin seitdem nicht mehr ganz so viel Glück bei der Wahl ihrer Rollen hatte, konnte sie auch in all ihren späteren Auftritten stets mit ihren darstellerischen Qualitäten überzeugen. Im komplexen Fantasy-Drama „The Five Devils“ darf die Frau mit dem exotischen Namen dies erneut unter Beweis stellen.

Und darum geht es…
In dem Bergdorf „Les Cinq Diables“ in den französischen Alpen, benannt nach fünf nebeneinander stehenden Gebirgsgipfeln, lebt Vicky mit ihren Eltern. Vicky ist ein seltsames und einsames kleines Mädchen mit einer magischen Gabe: Sie verfügt über einen außergewöhnlich ausgebildeten Geruchssinn und vermag es, jeden beliebigen Duft zu reproduzieren. Diese Düfte sammelt sie in einer Reihe von sorgfältig beschrifteten Gläsern. Auch den Duft ihrer Mutter Joanne, für die sie eine wilde, exzessive Liebe hegt, hat sie heimlich eingefangen. Als eines Tages ihre Tante Julia in ihr Leben platzt, braut Vicky auch ihren Geruch nach und öffnet damit unerwartet ein Tor in die Vergangenheit. Fortan begibt sie sich auf Zeitreisen in dunkle und archaische Erinnerungen, und deckt nach und nach Geheimnisse ihres Dorfes, ihrer Familie und ihrer eigenen Existenz auf. (MUBI)

Ein außergewöhnliches Erlebnis
„The Five Devils“ überrascht mit Mut zur Andersartigkeit und außergewöhnlicher Tonalität. Im innersten Kern des diffusen Machwerks verbirgt sich eine düstere Komödie – nur ohne je wirklich ins Komödiantische abtauchen. Stattdessen nutzt Léa Mysius dieses lose Konstrukt als Spielwiese, um sich an verschiedenen Genre-Motiven auszuprobieren und diese mal mehr, mal weniger stark zu verfolgen. “The Five Devils” vereinbart Mystery-Elemente mit Fantasy, stellenweise überschreitet er die Grenzen des Horrorgenres, um sich dann wieder durch und durch seiner Eigenschaften als Familiendrama bewusst zu werden. Das mag zuweilen etwas sperrig und in seiner Komplexität sogar erdrückend wirken, birgt darin aber auch seine Faszination.

Nicht weniger vielfältig als die breite Bandbreite an Genres, die „The Five Devils” in sich vereint, ist die Wahl seiner Themen. Beginnend beim Erwachsenwerden, über Weiblichkeit und das Erkunden und Akzeptieren der eigenen Sexualität bis hin zu Mutterschaft und Identität steckt der vermutlich eigenwilligste Zeitreise-Film der letzten Jahre inhaltlich ein großes Spektrum ab. Adèle Exarchopoulos bewegt sich gewohnt souverän durch den Flickenteppich an Themen und Motiven und liefert im Zusammenspiel des nicht weniger überzeugenden Casts erneut tadellose Arbeit. Dass “The Five Devils” am Ende doch “nur” ein guter Film geworden ist, lässt sich darauf zurückführen, dass die einzelnen Komponenten für sich betrachtet zwar einiges an Potenzial bieten – und diese teilweise auch voll ausspielen – sich aber nie zu einem großen Ganzen zusammenfügen wollen oder sich sogar gegenseitig ausbremsen.

Fazit
Der vermutlich außergewöhnlichste Zeitreise-Film der letzten Jahre!
Wie hat Dir „The Five Devils“ gefallen?

