Sonne und Beton [2023] Kritik

TitelSonne und Beton
Genre Drama, Coming-Of-Age
Jahr2023
FSK12
RegieDavid Wnendt

Kinostart: 02.03.2023

Nach dem Bestseller-Roman von Felix Lobrecht

Wer hätte gedacht, dass einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre ausgerechnet aus der Feder eines 34-jährigen Stand-Up-Comedians stammen wird? Die Verfilmung des gleichnamigen Bestseller-Romans „Sonne und Beton“ von „Gemischtes Hack“ – Podcaster Felix Lobrecht holt das Maximum aus seiner autobiografisch angehauchten Vorlage heraus und packt dabei sogar noch eine ordentliche Schippe obendrauf. Das macht das Coming-Of-Age-Drama zum intensivsten deutschsprachigen Kinoerlebnis seit „Berlin Alexanderplatz“. Genau so geht Genrekino!

Sonne und Beton 2023 ©Constantin Film

Und darum geht es…

Berlin-Gropiusstadt im Rekordsommer 2003. In den Parks stinkt es nach Hundescheiße, überall Scherben, in den Ecken stehen Dealer. Wer hier lebt, ist Gangster oder Opfer. Lukas (Levy Rico Arcos), Gino (Rafael Luis Klein-Heßling) und Julius (Vincent Wiemer) sind solche Opfer. Kein Geld fürs Schwimmbad, kein Glück in der Liebe und nur Stress zu Hause. Als sie im Park Gras kaufen wollen, geraten sie zwischen rivalisierende Dealer. Die verprügeln Lukas und wollen 500 Euro Schutzgeld. Wie soll Lukas das Geld auftreiben? Sein neuer Klassenkamerad Sanchez (Aaron Maldonado-Morales) hat eine Idee: Einfach in die Schule einbrechen, die neuen Computer aus dem Lager schleppen und verkaufen. Dann sind sie alle Geldsorgen los. Der Plan gelingt. Fast. (Constantin Film)

Sonne und Beton 2023 ©Constantin Film

Das Leben in der Gropiusstadt

Auch wenn sich „Sonne und Beton“ inhaltlich stark an der Romanvorlage orientiert und die im 2000er-Grossenslang gehaltenen Dialoge nahezu eins zu eins zitiert, löst sich die Kino-Adaption von der eingeschränkten Erzählstruktur des Ich-Erzählers und gibt dadurch auch seinen spannenden Nebenfiguren mehr Raum für Entwicklungen. Felix Lobrecht zeigt sich selbst für das Skript verantwortlich, dass er gemeinsam mit „Feuchtgebiete“-Regisseur David Wnendt verfasste und transformiert die sowieso bereits solide Vorlage zu einem brillanten Film. Das Ergebnis ist eine schonungslose, fast schon dokumentarische Milieustudie, authentisch, unvermittelt und fesselnd, die das Publikum nicht nur die Hitze und den Dreck am eigenen Leib spüren lässt, sondern auch die volle Bandbreite an Gefühlen seiner Protagonisten.

Sonne und Beton 2023 ©Constantin Film

Statt auf übersättigte Hochglanzbilder, wie man es aus den meisten Mainstream-Produktionen aus Deutschland kennt, setzt „Sonne und Beton“ auf einen charakterstarken Indie-Look, mit kieseligen Aufnahmen und verwaschenen Farben. Die fantastische Kameraarbeit von Jieun Yi unterstreicht das semi-dokumentarische Flair, während der dröhnen Deutschrap-Soundtrack – diverse Künstler*innen wie Juju oder Olexesh sind sogar Teil des starken Casts – aus den Boxen schleppert. „Sonne und Beton“ ist hart, berührend und schockierend, um im nächsten Moment die Gefühlswelt einmal auf links zu drehen und die authentische Unbeschwertheit und Abenteuerlust der eigenen vergangenen Jugend zu vermitteln. Großartig!

Sonne und Beton 2023 ©Constantin Film

Fazit

Authentisch, fesselnd und mitreißend! „Sonne und Beton“ bringt das deutsche Kino auf ein ganz neues Level!

Bewertung: 4.5 von 5.

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