Barbarian

Kurz vor dem Jahreswechsel hat es sich Disney+ zur Aufgabe gemacht, die vorschnell veröffentlichten Bestenlisten übereifriger Hobby-Rezensionist*innen und Filmkritiker*innen noch einmal schön über den Haufen zu werden. Ob der von der Presse gefeierte Horrorfilm mit Bill Skarsgård, Georgina Campbell und Justin Long tatsächlich das Zeug hat, sich bei den besten Filmen des Jahres einzureihen? Seht selbst…

Handlung

Tess (Georgina Campbell) sucht eine Unterkunft in Detroit und bucht über eine App ein Haus, das sich als Doppeltbelegung entpuppt: Keith (Bill Skarsgård) ist bereits dort. Trotz anfänglichen Misstrauens entscheidet sich Tess, die Nacht im selben Haus zu verbringen, ahnt jedoch nicht, dass diese Entscheidung katastrophale Folgen haben wird. Bald entdeckt sie einen versteckten Raum im Keller, der dunkle Geheimnisse birgt. Als die beiden tiefer in die Geheimnisse des Hauses eindringen, entfaltet sich ein beängstigendes Szenario, das sie in einen Albtraum hineinzieht.

Barbarian ©20th Century Studios

Kritik

Eines kann man Regisseur und Drehbuchautor Zach Cregger nicht vorwerfen: Vorhersehbarkeit! Wer sich auf den abwechslungsreichen Horror-Schocker „Barbarian“ einlässt, darf sich auf so mache Überraschung einstellen – was zugleich Segen als auch Fluch ist. Nach einem unglaublich atmosphärischen Auftakt, der die Spannungsschraube gemächlich anzieht, während sich der Score schleichend unter die Haut frisst, um dem viszeralen Horror ein würdiges musikalisches Fundament zu bereitet, kommt es nach rund einer dreiviertel Stunde dann doch noch komplett anders als erwartet. Anders als James Wan, der in seinem ähnlich überraschenden „Malignant“ aus dem vergangenen Jahr uneingeschränkt überzeugen konnte, gelingt Cregger dieses Kunststück nur bedingt.

Barbarian ©20th Century Studios

Dass Zach Cregger seine Karriere in der Welt der Comedy begann, ist auch in seinem ersten Ausflug in Horror-Gefilde unverkennbar. Genregrenzen scheinen für den jungen US-Amerikaner genauso wenig zu existieren, wie die üblichen Konventionen des Filmemachens. So inszeniert er seinen Horror-Flick ungeachtet einer klassischen Dramaturgie, verlagert die Sympathien ohne Vorwarnung und erzeugt durch die neuen Blickwinkel plötzlich komplett diametrale Gefühle ein und derselben Situation. Was für den einen ein beängstigender Abstieg in das albtraumhafte Ungewisse ist, wird vom anderen voller Freude als profitable Einnahmequelle gesehen.

Barbarian ©20th Century Studios

Verdammt clever und doch ziemlich dumm! So kreativ und smart „Barbarian“ in seiner Gesamtheit auch sein mag, so kleingeistig ist er in einzelnen Momenten. Gerade auf den letzten Metern des Horrorthrillers überschlägt sich die unsägliche Blödheit einzelner Figuren förmlich und mündet in einer Aneinanderreihung höchst fragwürdiger Handlungen und dämlicher Drehbuchentscheidungen. Hinzu kommt, dass „Barbarian“ zugunsten seiner erfrischenden Andersartigkeit eine Menge an Horror, Spannung und Suspense opfert – an die dichte Atmosphäre der ersten 45 Minuten kommt Zach Cregger später jedenfalls nicht mehr heran. Irgendwie schade…

Barbarian ©20th Century Studios

Fazit

Alleine für seine Andersartigkeit eine Sehempfehlung!

Bewertung: 3 von 5.

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