Die Liebe ist frei, die Gedanken nicht! In seinem Drama “Servus Papa, See You in Hell” erzählt der deutsche Regisseur Christopher Roth die wahre Geschichte der echten Jeanne Tremsal, die ihre Kindheit und Jugend in einer österreichischen Kommune unter der Leitung von Otto Muehl verbracht hat. Dass das Leben im vermeintlichen Paradies alles andere als sonnig war, erfuhr die Öffentlichkeit spätestens mit Muehls Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs im Jahre 1991 und bildet das Zentrum dieser authentischen filmischen Momentaufnahme!

Handlung
Jeanne lebt schon seit ihrer Geburt in einer Kommune im österreichischen Burgenland ohne ihre Eltern. Eine der wichtigsten Regeln ist es, dass Kinder getrennt von ihren Eltern aufwachsen, um sich schon früh von den gesellschaftlichen Normen einer klassischen Familie zu distanzieren – statt bürgerlichen Werten, herrscht hier Polygamie und freie Liebe. Als sich die 14-Jährige in den charismatischen Jean verliebt, ist das für Oberhaupt Otto Grund genug, die Teenager räumlich zu trennen. So langsam beginnt Jeanne zu erkennen, dass die versprochene Freiheit innerhalb der Kommune das komplette Gegenteil ist. Doch der Ausstieg ist schwerer als gedacht…

Kritik
Es gibt Lebensentwürfe, die muss man nicht verstehen. Wenn das Publikum durch die Augen einer Teenagerin in das Leben einer abgelegenen Kommune eingeführt wird, in der echte Gefühle genauso ein Tabu zu sein scheinen wie Monogamie, mag diese Welt auf den ersten – und vielleicht auch auf den zweiten – Blick durchaus suspekt wirken. Dank der beinahe dokumentarischen Inszenierung, die den Zuschauer*innen ein authentisches Gefühl dieser fremdartigen Subkultur vermittelt, fällt der Einstieg dennoch unglaublich leicht. Während die Kinder bereits früh von den Eltern getrennt werden, um gar nicht erst in gesellschaftlich anerkannte Bahnen gelenkt zu werden, haben die erwachsenen Männer nicht einmal ein eigenes Zimmer, damit sie quasi gezwungen sind, jede Nacht bei einer anderen Frau zu verbringen. Wer sich verliebt, wird bestraft…

Eine Welt, die Freiheit predigt, aber keine freien Entscheidungen duldet. “Servus Papa, See You in Hell” benötigt keine großen Erklärungen, um das Paradoxon dieser Lebensweise herauszuarbeiten und verlässt sich stattdessen lieber auf alltägliche Situationen, die diese Widersprüchlichkeit spielen. So entpuppt sich das perfekte Leben in einer scheinbar gleichberechtigten Gesellschaft schnell als strenge Diktatur und offenbart dabei neben sexuellem Missbrauch Minderjähriger auch psychische Gewalt und Unterdrückung. Darüber täuscht auch die nach außen getragene Fröhlichkeit in Form von gemeinschaftlichem Tanz und Gesang – oder zumindest sowas in der Art – nicht hinweg.

Fazit
Ein authentisches Sekten-Drama!
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