Meine Stunden mit Leo

Sexuelle Begierde und das Bedürfnis nach Intimität kennt keine Altersgrenze! Ganz im Gegenteil. Mit wachsender Lebenserfahrung und dem Ablegen von Zweifeln und Unbehagen mit dem eigenen Körper, wie es vielen jungen Menschen ergeht, erwächst auch ein gestärktes sexuelles Selbstvertrauen. Es ist also nie zu spät, sich neu zu definieren und neue Erfahrungen zu sammeln – das denkt sich auch die pensionierte Witwe Nancy in „Meine Stunden mit Leo“.

Meine Stunden mit Leo ©Wild Bunch

Handlung

Nach dem Tod ihres langjährigen Ehemanns fasst die frisch pensionierte Lehrerin Nancy Stokes einen Entschluss: Sie will sich sexuell neu finden und endlich alles ausleben, was ihr in ihrer prüden Ehe verwehrt geblieben ist. Nach reiflichen Überlegungen fasst sie sich ein Herz und engagiert den jungen Callboy Leo Grande. Einfach fällt es der ehemaligen Religionslehrerin zwar nicht, ihre Hemmungen fallen zu lassen, doch mithilfe des charismatischen Leo taut die neugierige Witwe langsam auf – überschreitet dabei aber eine wichtige Grenze!

Meine Stunden mit Leo ©Wild Bunch

Kritik

Oralsex ist demütigend! So sah das zumindest Nancys verstorbener Ehepartner. In „Meine Stunden mit Leo“ erfährt eine ältere Frau ihren zweiten sexuellen Frühling und lässt die Prüderie einer ganzen Generation hinter sich. Nie mehr Orgasmen vortäuschen und mehr als nur die immer gleiche Missionarsstellung! Dabei versteht sich die Tragikomödie als humoristische Abrechnung mit sexueller Verklemmtheit und macht sich stark für die Enttabuisierung der weiblichen Lust. Getragen wird das ganze von einer grandiosen Emma Thompson!

Meine Stunden mit Leo ©Wild Bunch

Trotz der sexuellen Thematik, die vornehmlich über die schlüpfrigen Dialoge behandelt wird, überlässt „Meine Stunden mit Leo“ den eigentlichen Akt der Fantasie der Zuschauer*innen. Stattdessen erzeugt Sophie Hyde ein intimes Kammerspiel über zwei Menschen, die sich einander öffnen und entwaffnend ehrlich
und verletzlich miteinander agieren. Das geschieht lange Zeit in Form von leichtfüßigen Dialogen und trockenem Humor, ehe die Geschichte im letzten Drittel dann leider doch noch in angestaubte Klischees abdriftet. Von der Frische, die „Meine Stunden mit Leo“ lange Zeit mit sich brachte, ist dann bedauerlicherweise kaum mehr etwas zu spüren. Schade…

Meine Stunden mit Leo ©Wild Bunch

Fazit

Die leichtfüßige Tragikomödie verliert sich im letzten Akt in Klischees!

Bewertung: 3 von 5.

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