Eines haben Kinder den Erwachsenen voraus: Selbst unter den katastrophalsten Bedingungen haben sie das Talent, etwas Magie und Zauber in der Welt zu entdecken und alleine durch die Kraft der Gedanken Hoffnung aus kleinen Dingen zu ziehen. In “Topside – Flucht ins Ungewisse” erscheint das Leben in der Obdachlosigkeit durch Kinderaugen betrachtet halb so schlimm, während das „echte“ Leben zu einem chaotischen Durcheinander verkommt. Ein durchaus interessanter Ansatz…

Handlung
Dunkelheit, Nässe und Dreck. Die Welt, wie sie die fünfjährige Litte kennt, ist ein kalter, düsterer Ort. Doch mit ihrer liebenden Mutter Nikki an ihrer Seite glaubt sie, alles zu haben, was sie braucht. Die drogenabhängige Frau lebt mit ihrer kleinen Tochter in den verlassenen U-Bahn-Schächten unterhalb der Stadt. Ans Tageslicht geht sie, wenn schon alleine, um ihrer Sucht nachzugehen – weshalb sich die kleine Little nicht einmal ausmalen kann, dass es ein Leben außerhalb ihres Zuhauses geben könnte. Das ändert sich aber schnell, als die alten Tunnelsysteme von den Behörden geräumt werden und Nikki gezwungen wird, mit ihrer Tochter an die Oberfläche zu fliehen. Doch dort hören die Probleme nicht auf und bilden erst den Anfang einer orientierungslosen Suche nach einem Platz in der echten Welt…

Kritik
Wenn Little zum ersten Mal mit der Welt an der Oberfläche in Berührung kommt, dient die nervöse Kamera stellvertretend als Vermittler ihrer Empfindungen und visualisiert die Reizüberflutung in grellen Farben und schnellen Schnitten. In diesen Momenten orientiert sich “Topside – Flucht ins Ungewisse” mit der nervösen Inszenierung an die filmischen Werke der Safdie-Brüder, während die intime Exposition immer wieder Erinnerungen an die Mutter-Tochter-Bindung in “Room” weckt. Die Klasse beider Vorbilder kann das Drama zwar nie erreichen, funktioniert aber spätestens nach der ersten, etwas trögen, halben Stunde als hektische Momentaufnahme aus dem Leben eines vergessenen Kindes.

Wieso “Topside – Flucht ins Ungewisse” von der in der Geschichte schlummernden emotionalen Sprengkraft nie so richtig Gebrauch machen kann, ist schwer zu sagen. Vielleicht liegt es daran, dass der Plot ab einem bestimmten Zeitpunkt ein wenig auf der Stelle tritt und im Zuge dieses Stillstands verpasst, seinen Figuren weitere Facetten abzugewinnen. Die großen Gefühle bleiben trotz des überzeugenden Schauspiels jedenfalls aus. Auch für eine ernstzunehmende Milieustudie geht “Topside” nie tief genug, auch wenn die authentischen Einblicke in eine verborgene Welt in der Mitte unserer Gesellschaft durchaus spannend geraten ist. Auch wenn “Topside – Flucht ins Ungewisse” hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, ist das Drama definitiv einen Blick wert – vor allem für Fans der genannten Vorbilder.

Fazit
Ein authentisches Mutter-Kind-Drama!
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