Grimcutty | Film – Kritik: Meme-Horror zum Wegscrollen

Wenn Internet-Panik ein Monster bekommt

Selbstverstümmelung, Sauerstoffentzug und lebensgefährliche Stunts. Was einst mit einem unschuldigen Kübel Eiswasser für einen guten Zweck begann, entwickelte sich gerade unter Jugendlichen in den letzten Jahren zum gefährlichen Trend. Die Rede ist natürlich von Internet-Challenges – je riskanter, desto besser. Der perfekte Stoff für einen Horrorfilm! Oder etwa nicht? Eigentlich müsste „Grimcutty“ nur zugreifen. Elternpanik, digitale Mythen, Gruppendruck, Kontrollverlust, ein Monster aus dem Netz. Alles da. Nur macht der Film daraus keinen scharfen Kommentar auf Jugendkultur und hysterische Erwachsene, sondern einen derart unbeholfenen Meme-Horror, dass selbst Slender Man plötzlich wie Hochkultur wirkt.

Grimcutty ©20th Digital Studio & Hulu Originals

Asha (Sara Wolfkind) lebt mit ihrer Familie in einer Stadt, in der plötzlich Panik vor einem Internet-Meme namens Grimcutty ausbricht. Erwachsene glauben, dass die Kreatur Jugendliche zu gefährlichen Selbstverletzungen treibt, und reagieren mit Verboten, Kontrolle und digitaler Abschottung. Auch Ashas Eltern geraten zunehmend in Angst und verschärfen die Regeln zu Hause. Doch während alle von einer viralen Hysterie ausgehen, sieht Asha die Gestalt tatsächlich. Um sich selbst und ihren kleinen Bruder zu schützen, muss sie herausfinden, ob Grimcutty nur aus der Angst der Eltern entsteht – oder längst real genug ist, um zuzuschlagen.

Grimcutty ©20th Digital Studio & Hulu Originals

Der Slender Man hat wenigstens Stil

US-amerikanischen Horrorfilm hat es ein lebendig gewordenes Internet-Meme auf unschuldige Jugendliche abgesehen – doch am meisten darunter zu leiden haben die Zuschauer*innen. „Grimcutty“ ist nicht nur unglaublich zäh und will trotz der überschaubaren Laufzeit von etwas mehr als eineinhalb Stunden einfach nicht zu Ende gehen, sondern darüber hinaus auch noch extrem anstrengend und hanebüchen erzählt. Die nervtötenden Figuren bleiben dabei ähnlich blass wie das dürftig animierte Titelmonster. Schon das Design der Kreatur wirkt weniger wie eine urbane Internetlegende, die sich ins kollektive Bewusstsein frisst, sondern wie ein schlecht gerenderter Albtraum aus der zweiten Reihe eines Free-to-Play-Horrorspiels.

Grimcutty ©20th Digital Studio & Hulu Originals

Wenn der penetrante Einsatz des unsäglichen Internettrends ASMR noch nicht einmal das Nervigste an einem Film ist, dann will das was heißen! Die übertriebene Hysterie der Charaktere, gepaart mit dem furchtbaren Overacting einzelner erwachsener Nebenfiguren – beides steht in keinem Verhältnis zu den abgebildeten Geschehnissen – ist kaum auszuhalten. Statt Horror herrscht hier unfreiwillige Komik – und die unangenehmen Dialoge setzen dem Ganzen noch die Krone auf. Selbst für das noch Horror unerfahrene jüngere Publikum dürfte höchstens das von den überforderten Eltern verhängte Handyverbot für waschechten Grusel sorgen. „Uns die Handys wegzunehmen, ist faschistisch!“ Na gut.

Grimcutty ©20th Digital Studio & Hulu Originals

Fazit

„Grimcutty“ ist Meme-Horror der ganz miesen Sorte: zäh, hässlich, schlecht gespielt und ungefähr so gruselig wie ein Handyverbot am Abendbrottisch. Die Grundidee hätte Potenzial, doch der Film macht daraus nur hysterischen Internetquatsch mit Billigmonster.

Bewertung: 1 von 5.