Laut Statistik gab es in den Vereinigten Staaten von Amerika im vergangenen Jahr insgesamt 692 sogenannte Mass Shootings – also bewaffnete Amokläufe mit mehreren Verletzten oder Todesopfern. Eine erschreckende Bilanz, vor allem wenn man bedenkt, dass dies heruntergebrochen auf den Tag rund zwei entsprechende Vorfälle bedeutet. Man möchte sich kaum vorstellen, mit welcher Machtlosigkeit man die Nachricht erhält, dass ein geliebter Angehöriger sich just in diesem Moment in einer derartigen Situation befinden könnte. In Phillip Noyces schnörkellosen Amok-Thriller “The Desparate Hour” steht eben jeder Blickwinkel einer Angehörigen im Fokus, die am Telefon das gesamte Ausmaß des Schreckens mitbekommen, ohne selbst einschreiten zu können.

Handlung
Als Amy am frühen Morgen das Haus verlässt, um auf ihre gewohnte Laufstrecke durch den Wald zu joggen, ahnt sie noch nicht, dass sie gleich einen Anruf erhalten wird, der ihr Leben verändert. An der Schule eines ihrer Kinder ist ein Amoklauf im Gange und ihr Nachwuchs ist mittendrin….

Kritik
Eine Frau, ein Telefon! Manchmal braucht es nicht viel mehr, um mit einfachen Mitteln eine unglaublich dichte Spannung zu erzeugen. Ob Ryan Reynolds in einem hölzernen Sarg tief unter der Erdoberfläche in „Buried“, Tom Hardy auf einer langen Autofahrt in „No Way Back“ oder Jake Gyllenhaal in der Notrufzentrale im gleichnamigen Remake des dänischen Meisterwerks „The Guilty“ – manchmal ist weniger, doch mehr. Dasselbe gilt für den nervenaufreibenden Thriller „The Desperate Hour“, der sich bereits nach wenigen Minuten als aktiver Angriff auf die Fingernägel entpuppt.

Noch bevor die von Naomi Watts verkörperte Amy einen lebensverändernden Anruf erhält, ist sie engagierte Mutter unter Starkstrom – und das Publikum tut es ihr gleich! Während Andere beim Joggen durch den Wald endlich abschalten können, regelt sie sämtliche administrative Vorgänge per Smartphone und opfert sich auch in ihrer Quality Time für ihre Familie auf. „The Desperate Hour“ wird von Anfang an von einer ansteckenden Unruhe begleitet und treibt die Hektik und Nervosität in den weiteren Minuten noch auf die Spitze. Der minimalistische Thriller bietet pulstreibenden Nervenkitzel und führt das Publikum dabei geschickt an der Nase herum. Leider will Phillip Noyce am Ende dann doch noch zu viel und führt den Plot in eine absurde Richtung. Das wirkt sich natürlich auch auf die bis dahin unermessliche Spannung aus – eine Empfehlung bleibt „The Desperate Hour“ aber weiterhin!

Fazit
Spannung pur!
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