Old-School-Horror auf vier Rädern
Horrorfans aufgepasst! Die spanischen Regisseure Raúl Cerezo und Fernando González Gómez sorgen mit „The Passenger“, passend zur Halloween-Saison, für handgemachten Sci-Fi-Horror der alten Schule. Statt glatt poliertem Streaming-Grusel gibt es hier Nebel, Glibber, deformierte Körper und einen ranzigen Van, der schneller zur fahrenden Todesfalle wird, als man „praktische Effekte“ sagen kann. Das klingt nach Genre-Party – und ist es zumindest immer dann, wenn der Film seine schleimigen Stärken ausspielt.

Vier Fremde und ein ranziger, alter Van. Für Marta beginnt der Roadtrip zu ihrem Vater nicht besonders vielversprechend. Ausgerechnet ihre Mitfahrgelegenheit Blasco entpuppt sich schnell als chauvinistischer Arsch, was vor allem die beiden weiteren Mitfahrerinnen sauer aufstoßen lässt. Bei einem handfesten Wortgefecht mit Martas Mutter Lidia und der krebskranken Mariela übersieht Blasco glatt eine junge Frau, die plötzlich mitten auf der Straße auftaucht – es kommt zum Zusammenstoß. Auf dem Weg ins Krankenhaus müssen die vier schnell feststellen, dass sie mit der verwundeten Frau auch einen weiteren, überaus tödlichen Passagier an Bord geholt haben.

Viel Glibber, wenig Figurenliebe
Dichte Nebelschwaden, schleimiger Glibber und deformierte Körper. „The Passenger“ bietet Old-School-Horror wie er im Buche steht und schickt eine unorganische Gruppe Menschen auf einen waschechten Höllentrip. Optisch macht der Retro-Streifen dabei tatsächlich einiges her und sorgt mit überzeugenden praktischen Effekte, aufwändigem Make-up und jeder Menge Schleim für echten Ekelhorror. Gerade Genrefans dürften sich an den diversen Ausflügen in den Body-Horror pudelwohl fühlen.

Abseits der blutigen Schauwerte hat „The Passenger“ jedoch wenig zu bieten. Der Plot rund um eine parasitäre Lebensform aus dem All, die sich von Wirt zu Wirt schlängelt, ist dem Genre entsprechend wenig spektakulär, reicht als loses Bindeglied für diverse unangenehme Szenen jedoch vollkommen aus. Schwieriger verhält es sich hingegen mit den Charakteren. Die sind durch die Bank entweder unsympathisch, nervig oder gar beides und dem Publikum entsprechend herzlich egal. Auch der unterschwellige humoristische Ton fühlt sich eher wie ein Fremdkörper an und zündet quasi nie. Wer sich im Genre heimisch fühlt, dürfte mit „The Passenger“ dennoch voll auf seine Kosten kommen.

Fazit
Schleimiger Ekelhorror mit starkem Retro-Gefühl, guten praktischen Effekten und ein paar schönen Body-Horror-Momenten. „The Passenger“ leidet unter nervigen Figuren, dünnem Plot und schwachem Humor, dürfte Genrefans mit Vorliebe für Glibber, Mutationen und handgemachten Horror aber trotzdem ordentlich bedienen.

