Halloween beginnt mit Weihwasser und Würgereiz
Herzlich willkommen, lieber Oktober! Halloween steht vor der Tür – und das bedeutet für Filmfans natürlich jede Menge Horrorfilme. Ob sich „The Exorcism of God“ als passender Einstieg in die Grusel-Saison eignet oder ob man den Besessenheitshorror lieber auslassen sollte, erfahrt ihr wie immer hier. Die kurze Antwort wäre zwar wenig feierlich, aber ehrlich: Wer einen frischen Exorzismusfilm sucht, wird hier vermutlich schneller erlöst als der nächste Dämon aus seinem Wirt.

Pater Peter Williams gilt als angesehener Geistlicher, trägt jedoch seit fast zwanzig Jahren eine schwere Schuld mit sich. Bei seinem ersten Exorzismus befreite er eine junge Frau scheinbar von einem Dämon, beging dabei aber eine Sünde, die ihn bis heute verfolgt. Als das Böse Jahre später zurückkehrt und erneut Besitz von einem jungen Mädchen ergreift, wird Peter mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Der Dämon kennt seine Schwäche, spielt mit seinem Glauben und zwingt ihn zu einem neuen Exorzismus, bei dem nicht nur das Leben des Mädchens, sondern auch seine eigene Seele auf dem Spiel steht.

Besessenheit nach Schema F
Ein zur dämonischen Fratze verzerrtes Gesicht, vulgäre Sprache, bei der man froh ist, dass die Mutter nicht gerade neben einem sitzt, und schleimige Körperflüssigkeiten, die man – außer man ist einem bestimmten Fetisch nicht abgeneigt – lieber in der Toilette verorten würde und nicht im eigenen Bett: „The Exorcism of God“ arbeitet bereits in den ersten fünf Minuten alles ab, was das Horror-Subgenre des Exorzismusfilms zu bieten hat. Die mitschwingende unfreiwillige Komik, die diese Art Film in besagten Szenen sowieso häufig mit sich bringt, weiß der US-amerikanische Horrorfilm noch einmal mit Leichtigkeit zu übertrumpfen.

Regisseur Alejandro Hidalgo versucht zwischen seinen Ekel-Szenen tatsächlich noch eine gewisse Erotik unterzubringen, indem er die Kamera immer wieder selbstzweckhaft auf den Silikonbrüsten der Besessenen verweilen lässt und diese zum krönenden Abschluss noch zufrieden, mit Orgasmusgesicht, auf dem Laken liegen lässt. Es reicht eigentlich vollkommen aus, die Exposition von „The Exorcism of God“ zu analysieren – viel mehr kommt anschließend nämlich nicht mehr. Der Plot folgt Schema F mit bekannten Motiven des Besessenheitshorrors, die Darsteller spielen ihre Rollen teilnahmslos herunter, und ein echtes Gefühl von Horror will sich nie einstellen – daran ändern auch diverse blutige Gewaltausbrüche nichts. Für das Genre ist Hidalgos Film nämlich ungewöhnlich zeigefreudig.

Fazit
Austauschbarer Exorzismus-Horror, der alle bekannten Motive des Genres abarbeitet, ohne ihnen etwas Eigenes hinzuzufügen. „The Exorcism of God“ ist zeigefreudiger als viele Genrevertreter, aber weder gruselig noch spannend genug, um aus Weihwasser, Dämonenfratze und Kunstschleim mehr als müden Besessenheitsstandard zu machen.

