Muhammed Ali dürfte wohl allen ein Begriff sein. Doch wusstet ihr, dass sich die Box-Legende auch für das kürzeste Gedicht der Welt verantwortlich zeigt? „Me, We.“ Zwei kleine Worte, die sich vielseitig deuten lassen. Im Prinzip handelt es von der Transformation vom egoistischen Ich zu einem Menschen, der sich seiner übergeordneten Rolle im Dienste der Allgemeinheit bewusst ist. Doch welche Aufgabe übernehmen wir als Individuum in der Gesellschaft? Diese Frage stellt sich auch der österreichisch-peruanische Filmemacher David Clay Diaz in seinem nach dem gleichnamigen Gedicht benannten Migrationsdrama.

Handlung
Jeder geht anders mit der Flüchtlingssituation in Österreich um. Weil Petra nicht nur untätig zusehen will, nimmt sie einen minderjährigen Migranten bei sich auf, während der 17-jährige Marcel so gar nicht mit der Zuwanderung einverstanden ist und sich kurzerhand dazu entscheidet, einen Geleitschutz zu gründet, um junge Frauen vor vermeintlich übergriffigen Ausländern zu schützen. Zeitgleich versucht Gerald als Leiter eines Asylheims auch menschlich für die Bewohner eine Bezugsperson zu sein, manövriert sich dabei jedoch in eine unangenehme Situation. Für die junge Marie hingegen reicht die Hilfe im eigenen Land nicht aus, weshalb sie sich aktiv als freiwillige Helferin am Mittelmeer für die sichere Ankunft der Geflüchteten kümmert.

Kritik
Vier Episoden, vier Persönlichkeiten und vier unterschiedliche Facetten der Flüchtlingsthematik. “Me, We” erzählt diese Geschichte losgelöst voneinander und springt immer wieder zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin und her. Ein großer, qualitativer Unterschied zwischen den Episoden lässt sich dabei nicht feststellen. Das liegt zum einen an der durchweg überzeugenden Besetzung, aber auch an den unterschiedlichen spannenden Ansätzen, die Diaz der übergeordneten Flüchtlingsthematik abgewinnt. Schwarzweiß-Denken hat in seinem Drama keinen Platz. Nicht alle, die Gutes tun, sind nur gut – und nicht alle, die Schlechtes tun, sind nur schlecht!

Vom verblendeten Kleinstadt-Nazi mit Minderwertigkeitskomplexen bis zum eigentlich gut gemeinten White Savior. In „Me, We“ wird eine volle Bandbreite an Charakteren abgebildet, die bei ihrem Handeln eine wichtige Lektion fürs Leben herausnehmen. Das ist mal satirisch und komisch und im nächsten Moment wieder tragisch und bedrückend. Diaz gelingt es dabei zum Glück, gängige Klischees zu umschiffen und eine menschliche und vor allem authentische Geschichte mitten aus dem Leben zu erzählen. Auch wenn das Flüchtlingsdrama mit knapp zwei Stunden Laufzeit etwas zu üppig geraten ist und sich deshalb an manchen Stellen etwas zieht, ist David Clay Diaz mit seinem facettenreichen Episodenfilm ein außergewöhnliches Stück Kino gelungen, dass man sich nicht entgehen lassen sollte!

Fazit
Ein facettenreicher Episodenfilm zum Thema Flüchtlingskrise!
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