The Batman | Film – Kritik: Gotham versinkt im Noir

Ein Batman aus Wut, Schmerz und Schatten

Der dunkle Ritter ist zurück – und er ist düsterer und härter als je zuvor! „The Batman“ ist alles, aber kein Popcorn-Kino. Wer sich auf diese Interpretation des DC-Helden einlässt, muss sich auf einen waschechten Noir-Thriller einstellen. Matt Reeves nimmt das Publikum mit in die dreckige Unterwelt Gothams, in der ein junger, von Schmerz und Wut geriebener Batman seit zwei Jahren sein Unwesen treibt. Dabei unterscheiden sich seine kompromisslosen Methoden kaum von denen, die er jagd! Gerade darin liegt der Reiz dieser Version: Batman ist hier noch keine Ikone, kein fertig geformtes Symbol, sondern ein Mann, der seine Trauer in Gewalt übersetzt und dabei selbst erst begreifen muss, was er für Gotham eigentlich sein will.

The Batman ©Warner Bros. Entertainment Inc.

Seit zwei Jahren streift Bruce Wayne alias Batman (Robert Pattinson) durch die finsteren Gassen von Gotham City und jagt den Verbrechern der Stadt Angst ein. Seine einzigen Verbündeten in einem Sumpf aus Korruption sind Alfred Pennyworth (Andy Serkis) und Lieutenant James Gordon (Jeffrey Wright). Inmitten eines korrupten Systems hat sich der einsame Rächer als Symbol der Gerechtigkeit in Gotham etabliert. Als eine Mordserie die politische Elite der Stadt erschüttert, wird Batman jedoch tiefer in Gothams Machtapparat gezogen, als ihm lieb sein kann. Der Riddler (Paul Dano) hinterlässt Rätsel, Botschaften und Leichen – und zwingt Bruce, nicht nur die Verbrechen anderer zu untersuchen, sondern auch das Erbe seiner eigenen Familie.

The Batman ©Warner Bros. Entertainment Inc.

Detektivgeschichte statt Superheldenrausch

Dass Robert Pattinson zu den stärksten Schauspielern seiner Generation gehört, hat er in Filmen wie „Good Time“ und „The Lighthouse“ längst bewiesen. In „The Batman“ macht er aus Bruce Wayne keinen glatten Milliardär mit Doppelleben, sondern einen verschlossenen, fast geisterhaften Mann, der außerhalb der Maske kaum zu existieren scheint. Sein Batman ist ein gebrochener Racheengel, ein beängstigender Dämon aus der Dunkelheit, der sich mit roher Wucht durch seine Gegner prügelt und dabei noch weit davon entfernt ist, der Held zu sein, als den Gotham ihn vielleicht einmal brauchen wird. Paul Dano setzt dem als Riddler einen nervös-fanatischen Gegenpol entgegen, der weniger durch körperliche Präsenz als durch seine kranke Logik bedrohlich wirkt. Auch Zoë Kravitz überzeugt als vielschichtige Catwoman, während Colin Farrell als Penguin spürbar Spaß an jeder schmierigen Sekunde hat.

The Batman ©Warner Bros. Entertainment Inc.

„The Batman“ ist kein gewöhnlicher Superheldenfilm. Matt Reeves inszeniert seine Vision als ruhige Detective-Story und psychologischen Serienkiller-Thriller irgendwo zwischen „Sieben“ und „Zodiac“, nur eben mit Cape, Maske und einer Stadt, die längst aufgegeben wirkt. Für diese entschleunigte Erzählweise benötigt man zugegebenermaßen etwas Sitzfleisch, doch gerade dadurch bekommt der Film Raum, um seine dichte Atmosphäre aufzubauen. Michael Giacchinos fantastischer Score, die schweren Bilder und das schmutzige Gotham greifen so präzise ineinander, dass sich die fast drei Stunden weniger wie ein Spektakel anfühlen als wie ein Abstieg. Action gibt es dafür vergleichsweise wenig. Wenn es dann aber kracht, sind die Kämpfe hart, brachial und dermaßen körperlich inszeniert, dass jede Bewegung Gewicht hat. All das macht „The Batman“ zu einer atemberaubenden Comic-Interpretation, die nicht lauter, größer oder bunter sein will als ihre Vorgänger, sondern konsequent tiefer in Gothams Dunkelheit hinabsteigt.

The Batman ©Warner Bros. Entertainment Inc.

Fazit

„The Batman“ ist eine starke Mischung aus Detektivgeschichte, Noir-Thriller und düsterer Comic-Interpretation. Lang, aber atmosphärisch enorm dicht, großartig gespielt und getragen von einem Gotham, das so kaputt wirkt wie sein noch ungeformter Held.

Bewertung: 4.5 von 5.