Last Girl Survives | Film – Kritik: Gefangen zwischen Thriller und Nordic Noir

Wenn der Killerplot keine Richtung findet

Dass der isländische Regisseur zwar bereits einen Spielfilm vorgelegt hat, hierzulande aber bisher kaum bekannt ist, überrascht nicht weiter, wenn dieser noch keine offizielle Auswertung bekam. An seiner fehlenden Bekanntheit dürfte aber auch sein zweiter Spielfilm „Last Girl Survives“ wenig ändern. Diesen inszeniert der isländische Regisseur irgendwo zwischen Horrorthriller und Nordic-Noir-Krimi, ohne dabei einem der beiden Genres auch nur annähernd gerecht zu werden. Was auf dem Papier nach düsterem Entführungsdrama, Serienkiller-Spannung und Ermittler-Melancholie klingt, bleibt in der Ausführung seltsam unentschlossen. Ein bisschen Gefangenschaft, ein bisschen Polizeiarbeit, ein bisschen Trauma – aber nichts davon mit genug Biss.

Last Girl Survives ©Lighthouse Film

Bradley Gilmore wirkt nach außen wie ein freundlicher College-Dozent, doch hinter seiner höflichen Fassade verbirgt sich ein brutaler Entführer. Junge Studentinnen bringt er in sein abgelegenes Haus, wo er sie gefangen hält und psychisch wie körperlich kontrolliert. Wer sich nicht fügt, überlebt nicht lange. Als die Leiche einer Frau gefunden wird, nimmt Ermittler Darren Hawk die Spur auf und stößt schnell auf Gilmore. Während Hawk versucht, den Fall zu lösen, hat der Professor mit Hailey bereits ein neues Opfer in seiner Gewalt. Für sie beginnt ein Kampf ums Überleben – und für Hawk ein Wettlauf gegen einen Täter, der seine Fassade erstaunlich lange aufrechterhalten konnte.

Last Girl Survives ©Lighthouse Film

Stockholm-Syndrom ohne psychologische Schärfe

Wenn eine der beiden Protagonist*innen in „Last Girl Survives“ nach einer mehrjährigen Gefangenschaft ohne menschliche Kontakte – abgesehen von dem zu ihrem Entführer selbst – trotz all der Torturen in ihrem Peiniger eine Art Bezugsperson sieht, ist das natürlich nur folgerichtig. In solchen speziellen Fällen spricht man vom Stockholm-Syndrom. Das erklärt jedoch noch lange nicht, wieso sich eben jene Person – und darüber hinaus auch alle weiteren – zu keinem Zeitpunkt nachvollziehbar verhält. An diesem Punkt krankt der düstere Thriller dann auch am meisten und verspielt dadurch einen großen Teil des durchaus vorhandenen Potenzials.

Last Girl Survives ©Lighthouse Film

Dabei hätte „Last Girl Survives“ mit der drückenden Stimmung und der kurzweiligen Erzählweise eigentlich das Zeug zu einem soliden Thriller gehabt. Trotz des minimalistischen Settings und des gemächlichen Tempos vergehen die knapp 90 Minuten doch recht zügig – wären da nicht die unzähligen Momente, in denen man als Zuschauer*in am liebsten selbst zum Stift greifen möchte, um das Drehbuch umzuschreiben. Auch die Entscheidung, den Plot rund um die Ermittlungen fast losgelöst von der eigentlichen Gefangenschaft nebenherlaufen zu lassen, will sich nicht so richtig erschließen. Die Geschichte über den abgewrackten Polizisten Hawk bekommt keinerlei Tiefe und ist für die Haupthandlung nahezu irrelevant. Dabei steckt hinter der nur leicht touchierten Figur des Ermittlers eigentlich die viel interessantere Geschichte.

Last Girl Survives ©Lighthouse Film

Fazit

„Last Girl Survives“ ist weder Fisch noch Fleisch: als Horrorthriller zu spannungsarm, als Nordic-Noir-Krimi zu dünn erzählt. Die drückende Stimmung und kurze Laufzeit helfen, doch unglaubwürdige Figurenentscheidungen und ein schwaches Drehbuch verspielen das vorhandene Potenzial.

Bewertung: 2 von 5.