Das Versteck | Film – Kritik: Das grausamste Coming-of-Age des Jahres

Wenn Kindheit zur Gefängniszelle wird

„We Need to Talk About… John!“ Eine gewisse Ähnlichkeit zum psychologischen Thrillerdrama „We Need to Talk About Kevin“ aus dem Jahr 2011 lässt sich nach der Sichtung von „Das Versteck“ tatsächlich nicht von der Hand weisen. Auch wenn sich beide Filme mit fortschreitender Laufzeit in völlig unterschiedliche Richtungen entwickeln, verbindet sie eine bedrückende Faszination, die sich nur schwer abschütteln lässt.

Das Versteck ©Koch Films

Der 13-jährige John findet beim Spielen mit seiner Drohne im Wald ein ungewöhnliches Loch im Boden, das ihn sofort in seinen Bann zieht. Getrieben von dem Wunsch, dem Druck seiner Familie zu entkommen, fasst er einen drastischen Plan. Am nächsten Morgen erwachen sein Vater Brad, seine Mutter Anna und seine Schwester Laurie in der Grube, ohne jegliche Möglichkeit zur Flucht. Zunächst denken sie, es handele sich um einen Unfall oder einen schlechten Streich. Doch nach einigen Tagen wird ihnen allmählich bewusst, dass sie in eine lebensbedrohliche Falle geraten sind.

Das Versteck ©Koch Films

Zwischen Familienfabel und Psychodrama

Was bedeutet es eigentlich, erwachsen zu werden? Diese Frage stellt sich auch der 13-jährige John im US-amerikanischen Psychodrama „Das Versteck“. Eigentlich eine ganz normale Frage für einen Heranwachsenden, die sich leicht auf kindliche Neugier zurückführen lässt – bei Johns Methode sollten allerdings sämtliche Alarmglocken schrillen. Das mit statischer Kamera, langen Einstellungen und dem beengten 4:3-Format extrem nüchtern, fast schon hypnotisch inszenierte Drama erzählt eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte über emotionale Distanz, Einsamkeit und das schwierige Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Die Faszination, die von „Das Versteck“ ausgeht, liegt deshalb weniger im eigentlichen Plot als in den vielen kleinen Beobachtungen und Symbolen, die sich erst nach und nach zu einem größeren Ganzen zusammensetzen.

Das Versteck ©Koch Films

„John and the Hole“ – so der Originaltitel – ist keine klassische Thrillergeschichte, sondern vielmehr eine moderne Fabel über Elternschaft, Verantwortung und den schmerzhaften Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein. Der Film erklärt wenig, deutet dafür umso mehr an und lädt ständig dazu ein, seine Bilder unterschiedlich zu lesen. Wer auf eindeutige Antworten hofft oder klassische Spannungsmechanismen erwartet, dürfte schnell die Geduld verlieren. Wer sich dagegen auf die ruhige Erzählweise und die vielen Zwischentöne einlässt, erlebt ein ungewöhnliches Psychodrama, das gerade wegen seiner Offenheit lange im Kopf bleibt.

Das Versteck ©Koch Films

Fazit

„Das Versteck“ ist kein Film für jede Stimmung und erst recht keiner für Freund*innen klassischer Thrillerkost. Wer sich auf das entschleunigte Psychodrama einlässt, wird jedoch mit einem ungewöhnlichen, vielschichtigen und faszinierenden Coming-of-Age-Film belohnt, der seine stärksten Momente zwischen den Zeilen findet.

Bewertung: 3.5 von 5.