Wenn der Horror auf dem Seziertisch liegen bleibt
Die zweite Regiearbeit des US-amerikanischen Regisseurs und Drehbuchautors Billy Senese scheint bei der internationalen Presse zu großen Teilen auf ziemlich großen Zuspruch zu stoßen. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Horrorfilm jedoch regelrecht als Rohrkrepierer – und das hat diverse Gründe. Dabei klingt die Ausgangslage durchaus nach einem kleinen, fiesen Genreversprechen: ein Mann wacht in der Leichenhalle auf, ein Psychiater sucht nach Antworten, ein Gerichtsmediziner nach einem verschwundenen Körper, und irgendwo dazwischen lauert etwas, das sich nicht einfach medizinisch erklären lässt. Nur leider bleibt „The Dead Center“ seinem eigenen Rätsel erstaunlich viel schuldig.

Als Michael Clark in einem festen Plastiksack auf einem sterilen Tisch mitten in der Leichenhalle eines Krankenhauses erwacht, ist sein blasser Körper komplett heruntergekühlt. Vor wenigen Sekunden war er nämlich noch tot. Am nächsten Morgen wird der verwirrte Mann von Dr. Daniel Forrester in einem leerstehenden Patientenzimmer aufgefunden. Während der Psychiater herausfinden möchte, woher der orientierungslose Mann kommt, macht sich der Gerichtsmediziner Dr. Graham auf die Suche nach dem verschwundenen Leichnam – dabei stoßen beide auf schreckliche Dinge, fernab von allem Erdenklichen.

Wenig Schock, noch weniger Spannung
„The Dead Center“ verzichtet lobenswerterweise fast vollständig auf Jump-Scares, aber darüber hinaus auch auf alles andere, was dazu imstande wäre, zumindest ein gewisses Maß an Horror zu erzeugen. Das Ergebnis ist ein zäher Film ohne Atmosphäre, Suspense und Spannung. Hinzu kommen die oberflächlichen Figuren und der auf der Stelle tretende Plot, die den Zuschauer*innen jegliches Mitfiebern verwehren. Dabei ist die Grundidee gar nicht mal so uninteressant und gewinnt der eigentlich ausgelutschten Besessenheits-Thematik einige spannende, neue Ansätze ab – zumindest auf dem Papier.

Handwerklich wirkt der Low-Budget-Horrorthriller dafür recht kompetent gefilmt, und auch der aufdringliche Score ist grundsätzlich nicht verkehrt, auch wenn er weitaus mehr suggeriert, als die unspektakulären Bilder vermitteln können. Sonderlich viel passiert in „The Dead Center“ nämlich nicht. Was bei einem clever geschriebenen Elevated-Horror oder einem die Spannungsschraube anziehenden Slow-Burner hervorragend funktioniert, will hier leider gar nicht zünden. Was bleibt, sind 90 Minuten, die sich ziehen wie Kaugummi.

Fazit
„The Dead Center“ hat eine interessante Grundidee und solide Low-Budget-Handwerksarbeit, bleibt aber als Horrorthriller viel zu spannungsarm. Kaum Atmosphäre, kaum Figurenbindung, kaum echter Schrecken – ein zäher Slow-Burner, der eher verglimmt, als wirklich Feuer zu fangen.

