Day Shift | Film – Kritik: Vampirjagd mit Biss und West-Coast-Vibes

Wenn Netflix einfach mal Spaß machen darf

Nachdem Jamie Foxx mit seiner Beteiligung am Netflix-Superheldenfilm „Project Power“ kein besonders gutes Händchen bei der Rollenwahl bewies, versucht er sich erneut an einem Original der Streamingplattform und schlüpft in der HorrorActionKomödie „Day Shift“ in die Rolle des Familienvaters und Vampirjägers Bud. Wem jetzt Böses schwant, kann beruhigt sein. Der blutige Vampir-Spaß macht verdammt viel Laune! Nicht, weil hier das Genre neu erfunden würde, sondern weil der Film ziemlich genau weiß, was er sein will: eine laute, schnelle und angenehm alberne Actionkomödie, die lieber ordentlich durchzieht, als sich mit unnötigem Mythologie-Ballast selbst im Weg zu stehen.

Day Shift 2022 ©Netflix

Los Angeles: Bud Jablonski (Jamie Foxx) führt ein Doppelleben. Tagsüber reinigt er Pools stinkreicher Villenbesitzer*innen, nur um sich dann in der Nacht seiner wahren Leidenschaft hinzugeben: dem Jagen von Vampiren. Seitdem er jedoch aus der Gewerkschaft geflogen ist, bekommt er für seine ausgeführten Aufträge bedeutend geringere Kopfgelder ausgezahlt, als ihm lieb ist. Erst nach einer ausführlichen Prüfung hat Bud wieder die Möglichkeit, Teil der Vampirjäger-Elite zu werden – und die wird ausgerechnet an dem Tag durchgeführt, an dem er einem gigantischen Vampirnest auf die Schliche gekommen ist! Zu allem Überfluss muss er dabei auch noch den pflichtbewussten Bürokraten Seth an seiner Seite dulden, der Buds Rückkehr in die Gewerkschaft überwachen soll und ziemlich schnell merkt, dass Vampirjagd in der Praxis deutlich weniger sauber abläuft als auf dem Papier.

Day Shift 2022 ©Netflix

Blutige Action statt großer Überraschungen

Wenn sich Bud zu den Oldschool-Klängen des eingängigen, aus West-Coast-Rap-Songs bestehenden Soundtracks durch Horden von Untoten metzelt, ist das nicht nur großartig inszeniert, sondern auch unglaublich spaßig. „Day Shift“ verfolgt dabei zwar einen klassischen Plot ohne nennenswerte Überraschungen, kann dafür aber gerade in seiner Einfachheit überzeugen – und das liegt vor allem an der starken Action. Auch die CGI-Effekte und die überwiegend handgemachten Creature Designs können sich sehen lassen und sind im direkten Vergleich mit der Sony-Gurke „Morbius“ – ebenfalls aus 2022 – auf einem ganz anderen Level. Das ist zwar nicht gamechanging, erfüllt aber die Erwartungen an einen Popcorn-Film in dieser Größe. Die Auseinandersetzungen mit den biegsamen Blutsaugern – die Untoten beweisen echte Yoga-Skills – sind dabei besonders schön anzusehen, weil sie bekannten Vampir-Motiven immer wieder kleine, kreative Action-Ideen abgewinnen.

Day Shift 2022 ©Netflix

So bekommen die Zuschauer*innen beispielsweise einen Zweikampf vor einem Spiegel zu sehen, in dem Bud, immer wenn die Kamera auf die Spiegelung hält, lediglich mit dem Nachthemd einer älteren Dame kämpft. Die Kampfszenen überzeugen stets mit guten Choreografien und strotzen nur so vor stylischen Moves und spaßigen Einfällen. Dass hier dieselben Stuntkoordinatoren wie auch bei „John Wick“ am Werk waren, ist nicht zu übersehen. Wieso man sich für das „große“ Finale dazu entschieden hat, die ausgefeilten Kampf-Choreografien zugunsten eines generischen Endkampfs aufzugeben, ist hingegen ein kleines Ärgernis, und auch die Motivation hinter Vampir-Königin Audrey gewinnt sicherlich keinen Blumentopf. Dafür liefert „Day Shift“ aber auf der komödiantischen Ebene ab. Die Buddy-Dynamik zwischen Jamie Foxx und Dave Franco ist herrlich anzusehen, die Gastauftritte mehr oder weniger bekannter Stars sorgen immer wieder für herzliche Lacher, und am Ende lässt sich sicher argumentieren, dass 4 Sterne viel zu viel für einen reinen Unterhaltungsfilm wie „Day Shift“ sind – aber er liefert nun mal alles, was eine gute Actionkomödie braucht.

Day Shift 2022 ©Netflix

Fazit

„Day Shift“ ist kein origineller, aber ein verdammt unterhaltsamer Vampir-Action-Spaß mit starken Kämpfen, gutem Tempo und funktionierender Buddy-Chemie. Das Finale schwächelt etwas, doch vorher liefert der Netflix Film genau das, was gutes Popcorn-Kino können muss.

Bewertung: 4 von 5.