The Phone [2015] Kritik

“Die Zeit heilt alle Wunden.” Ein Sprichwort, das jede*r schon einmal gehört, oder selbst zitiert hat – und das vermutlich mehr als nur einmal. Doch tut sie das wirklich? Ist es nicht vielmehr so, dass sie uns lediglich lehrt, mit diesen “Wunden” zu leben? Was ist, wenn man sich mit dem Schmerz oder der Ungerechtigkeiten plötzlich erneut auseinandersetzen muss, oder sie sogar ungeschehen machen kann? Das vergangene Gefühl bricht sich erneut Bahn. Da eine geheilte Wunde nicht erneut aufbrechen kann, lautet die Antwort: Nein, die Zeit heilt nicht alle Wunden – sie rückgängig zu machen hingegen schon. Doch das ist leider nicht möglich….oder etwa doch?

The Phone ©Busch Media Group

Handlung

Dass Go Dong-ho seine Frau zugunsten eines feuchtfröhlichen Abends mit seinen Arbeitskollegen versetzt hat und sie stattdessen alleine nach Hause fahren ließ, kann sich der Rechtsanwalt auch ein Jahr später nicht verzeihen. An jenem schicksalsträchtigen Abend wurde Yeon-soo brutal in ihrer gemeinsamen Wohnung ermordet. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Als genau ein Jahr später Go Dong-hos Handy klingelt und die Stimme seiner verstorbenen Frau am anderen Ende der Leitung ertönt, vermutet der Witwer zunächst einen bösen Streich. Doch wie es scheint, handelt es sich bei den Anrufen um eben jene, die er vor einem Jahr kurz vor der Tat von ihr erhielt, nur dass er sie dieses Mal nicht wegdrückt, sondern versucht seine Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Mit seinem heutigen Wissen über den Tathergang, versucht Go Dong-ho seine Frau in der Vergangenheit zu retten – und bringt dadurch auch die heutige Gegenwart durcheinander…

The Phone ©Busch Media Group

Kritik

Wieso bekommt man als Zuschauer*in während der Sichtung des südkoreanischen Zeit-Thrillers “The Phone” das Gefühl nicht los, schon bald ein liebloses US-amerikanisches Remake – vorzugsweise mit Liam Neeson in der Hauptrolle – zu sehen bekommt. Der Mix aus „Man On A Mission“-Thriller und “The Butterfly Effect” ist nämlich genau die Art Film, die sich Hollywood-Studios gerne unter den Nagel reißen, um sie eins zu eins nach zudrehen – nur eben ohne die dichte Atmosphäre und die filmische Raffinesse des Originalstoffs. Von beidem hat “The Phone” nämlich einiges zu bieten. Die Geschichte über einen verzweifelten “Everyday Normal Guy”, der versucht durch Eingriffe in die Zeitlinie seine Frau zu retten, ist unglaublich spannend, hervorragend gespielt und ansprechend in Szene gesetzt. Leider gelingt es Regisseur Kim Bong-joo diese Qualität nicht über die gesamte Laufzeit aufrechtzuerhalten – und dabei kann er nicht einmal etwas dafür.

The Phone ©Busch Media Group

Das Problem liegt nämlich im Drehbuch. Während die Gesetze von Zeit und Raum für lange Zeit schlüssig erklärt werden, wirft “The Phone” ab einem bestimmten Zeitraum seine eigenen Regeln über Bord und die Auswirkungen auf die Gegenwart ergeben plötzlich keinen Sinn mehr. So ist auch das zugegebenermaßen nervenaufreibende Finale schlichtweg unlogisch. Auch die Subplots über eine politische Verschwörung und die Polizeiarbeit hätten nicht annähernd so viel Platz gebraucht und bremsen den Thriller immer wieder aus. Nichtsdestotrotz ist “The Phone” ein weiterer würdiger Vertreter des südkoreanischen Kinos und hebt sich mit der elektrisierenden Stimmung und der auf den punkt gebrachten Inszenierung deutlich vom Hollywood-Standard ab.

The Phone 2015 ©Busch Media Group

Fazit

Nervenaufreibender Mystery-Thriller

Bewertung: 3.5 von 5.

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