Abenteuerkino ohne Franchise-Gepäck
Ein namhafter Cast bestehend aus der A-Prominenz Hollywoods in einem rasanten, komödiantischen Action-Blockbuster? Wenn das nicht nach Franchise schreit! Aber Fehlanzeige: „The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ ist tatsächlich ein Originalstoff ohne Franchise-Hintergrund oder Buchvorlage – und dabei mit nicht einmal 70 Millionen US-Dollar sogar recht kostengünstig produziert. Was die Abenteuerkomödie mit Channing Tatum und Sandra Bullock alles so kann, erfahrt ihr hier. Allein dieser Umstand macht den Film im heutigen Blockbusterbetrieb schon fast exotisch. Kein Multiversum, kein Reboot, keine zehnjährige Roadmap. Nur eine Autorin, ein Covermodel, ein Milliardär mit Größenwahn und ein Dschungel, der nach klassischem Abenteuerkino riecht.

Loretta Sage (Sandra Bullock) schreibt erfolgreiche Abenteuerromane, hat nach dem Tod ihres Mannes aber jede Freude an der eigenen Arbeit verloren. Ihre Bücher leben von exotischen Schauplätzen und dem muskulösen Helden Dash, dessen Gesicht Covermodel Alan (Channing Tatum) ist. Während Alan längst zum Publikumsliebling ihrer Lesungen geworden ist, würde Loretta am liebsten gar nicht mehr auftreten. Als der exzentrische Milliardär Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) sie entführen lässt, soll sie ihm helfen, einen sagenumwobenen Schatz in einer verlorenen Stadt zu finden. Alan sieht seine Chance gekommen, endlich mehr zu sein als nur der halbnackte Mann auf dem Buchcover – und startet eine Rettungsaktion, die schnell gefährlicher wird als jede Romanfantasie.

Channing Tatum sucht den Helden in sich
Was ist echt und was ist fake? Für Alan scheinen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität zu verschwimmen. Wenn das tollpatschige Model, gespielt von einem gewohnt charismatischen Channing Tatum, versucht, seinem Alter Ego nachzueifern und sich als echter Abenteurer zu beweisen, sind das die komödiantischen Glanzstücke von „The Lost City“. Wenn dann jedoch Szenendieb Brad Pitt für einen leider viel zu kurzen Auftritt vorbeischaut, muss sich auch Tatum hinten anstellen. Die Rolle des „Troja“-Stars ist dermaßen spaßig und over-the-top in Szene gesetzt, dass sie eigentlich nach einem eigenen Spin-off verlangt. Gerade diese Passagen zeigen, wie gut der Film funktionieren kann, wenn er seine eigene Abenteuerromantik nicht zu ernst nimmt und die Eitelkeiten des Genres genüsslich gegen den nächsten Baum laufen lässt.

„The Lost City“ lebt von seinem Cast und den schrulligen Figuren. Das sieht man schon daran, dass selbst eine gestandene Darstellerin wie Sandra Bullock neben Tatum, Pitt und Daniel Radcliffe als exaltiertem Milliardär fast schon untergeht und die wenigsten Akzente setzen kann. Abseits der Charaktere sieht es dann jedoch eher unspektakulär aus. Die anfangs noch recht frische Geschichte wandelt mit fortschreitender Laufzeit auf bekannten Pfaden, und der völlig deplatzierte, weder spannende noch lustige Plot rund um die Agentin von Loretta Sage bremst die eigentliche Handlung nur aus. Am positiven Gesamteindruck ändert das jedoch wenig. Somit bietet „The Lost City“ selbstironische Abenteuer-Unterhaltung mit spielfreudigen Stars.

Fazit
„The Lost City“ ist eine spaßige Abenteuerkomödie mit viel Star-Charme, netter Selbstironie und einem herrlich aufgelegten Channing Tatum. Nicht jede Nebenhandlung sitzt, und als Abenteuerfilm bleibt das Ganze recht harmlos, doch als lockeres Popcorn-Kino macht es ordentlich Laune.

