Morbius | Film – Kritik: Sonys Vampir beißt daneben

Wenn Marvel ohne Marvel-Gefühl auskommen muss

Während Disney mit seinem von Kritiker*innen und Fans gleichermaßen geliebten Marvel Cinematic Universe nun schon seit 14 Jahren, bis auf wenige Ausnahmen, konstant mit Qualität glänzen kann, will dieses Unterfangen bei den Franchise-Plänen von Sony Pictures irgendwie nicht gelingen. Nach zwei eher dürftigen „Venom“-Abenteuern geht es mit der Verfilmung des Marvel-Vampirs „Morbius“ nun noch einmal einen weiteren Schritt in die falsche Richtung. Dabei wäre die Figur eigentlich dankbarer Stoff: ein brillanter Wissenschaftler, eine tödliche Krankheit, ein missglücktes Heilmittel, Vampirkräfte und der Kampf gegen den eigenen Blutdurst. Klingt nach tragischem Comic-Horror. Herausgekommen ist leider nur ein blasser Franchise-Baustein mit Fledermaus-Filter.

Morbius ©Sony Pictures

Der angesehene Wissenschaftler Dr. Michael Morbius leidet an einer seltenen Bluterkrankung. In einem verzweifelten Versuch, Heilung zu finden, führt er riskante Experimente mit Fledermaus-DNA durch. Die unvorhersehbaren Folgen dieser genetischen Manipulation verleihen ihm übermenschliche Kräfte, aber auch einen unstillbaren Hunger nach Blut. Zwischen dem Kampf gegen seine inneren Dämonen und einer aufkeimenden Bedrohungen muss Morbius einen Weg finden, seine neu gewonnenen Fähigkeiten zum Wohl der Menschheit einzusetzen, ohne sich dabei selbst zu verlieren.

Morbius ©Sony Pictures

Ernst gemeint, unfreiwillig komisch

Das MCU muss sich nicht zu Unrecht immer wieder anhören, jede Geschichte krampfhaft mit albernem Humor zu verwässern, egal, wie düster oder tragisch diese im Kern doch ist. Im direkten Vergleich zur nicht weniger verbissenen Ernsthaftigkeit, die „Morbius“ – der übrigens nicht Kanon des MCU ist, woran auch die unlogischen Mid-Credit-Szenen nichts ändern – an den Tag legt, ist dies immerhin noch die wesentlich unterhaltsamere Eigenart. Etwas Selbstironie hätte dem sowieso schon hohen Trash-Level samt unfreiwilliger Komik gutgetan. So jedenfalls fühlt sich die Comicverfilmung an, als hätte man „Venom“ der einzigen Sache beraubt, die ihn als Film noch erträglich machte – und zwar Humor. „Morbius“ nimmt seine Fledermaus-Tragödie so ernst, dass jede misslungene dramatische Geste nur noch lauter quietscht. Jared Leto leidet, starrt, flüstert und flattert durch den Film, als wäre hier gerade großes Monsterkino im Entstehen.

Morbius ©Sony Pictures

Statt die kindliche Albernheit der Filme über den schwarzen Symbionten weiterzuführen, reproduziert „Morbius“ lieber die bereits dort vorherrschenden Schwächen. Das fängt beim hässlichen CGI an, geht über die unübersichtlichen Actionszenen und reicht bis hin zum trashigen Creature-Design. Das größte Manko jedoch ist im Drehbuch zu finden. So bekommt der blasse Antagonist – was in diesem Fall nichts mit seinem bleichen Vampir-Teint zu tun hat – keinerlei Motivation, um sein Handeln auch nur ansatzweise nachvollziehbar zu gestalten. Die Verwandlung von Freund zu Feind binnen weniger Sekunden, ohne plausible Erklärung, ist nur ein Punkt, an dem das Drehbuch auf ganzer Linie versagt hat. Am Ende kann man „Morbius“ einen gewissen Unterhaltungswert zwar nicht absprechen, der resultiert aber vor allem aus der Faszination daran, was hier alles schiefgeht.

Morbius ©Sony Pictures

Fazit

„Morbius“ ist eine durch und durch misslungene Comicverfilmung ohne Charme, Spaß und Leidenschaft. Jared Leto leidet sich durch hässliches CGI, wirre Action und ein Drehbuch ohne Blut im Kreislauf. Unterhaltsam ist das höchstens aus Versehen.

Bewertung: 2 von 5.