The Northman | Film – Kritik: Robert Eggers entfesselt den Wikingerrausch

Historienkino als wuchtiger Fiebertraum

Mit seinem Regiedebüt „The VVitch“ machte der US-amerikanische Regisseur Robert Eggers mit einem Paukenschlag auf sich aufmerksam und etabliert sich als einer der verheißungsvollsten Newcomer Hollywoods. Egal ob im eingangs genannten Horrordrama oder in seinem zweiten Spielfilm „The Lighthouse“ – Authentizität und geschichtliche Genauigkeit wird bei Eggers immer großgeschrieben. Dieser Versessenheit bleibt er auch bei „The Northman“ treu.

The Northman ©Universal Pictures

Die Detailverliebtheit Eggers‚ kennt keine Grenzen. Die für „The Northman“ zahlreich angefertigten Artefakte – angefangen bei authentischen Helmen und Waffen bis hin zu eins zu eins Nachbildungen von Schiffen und Hütten – bieten für das Publikum zwar kaum nennenswerten Mehrwert, hübsch anzusehen sind aber alle Male. Gerade visuell ist sein bildgewaltiger Wikinger-Epos nämlich eine wahre Pracht! Trotz der prominenten Besetzung, ist „The Northman“ selbst der eigentliche Hauptdarsteller. Während die Auftritte von Willem Dafoe und Ethan Hawke sich eher auf kurze, aber effektive Gasterollen beschränken und die routiniert agierende Anya Taylor-Joy, keine großen Akzente setzen kann, stört das nicht weiter. „The Northman“ ist kein Schauspiel-Kino, sondern epischer Bombast – und dabei trotzdem intim und alles andere als ein austauschbarer Mainstreamfilm.

The Northman ©Universal Pictures

Blut, Feuer und Besessenheit

Die animalische Performance von Alexander Skarsgård, der hier sein inneres Tier nach Lust und Laune entfesseln darf und die starke Nicole Kidman sollten trotz der alles überschattenden, brillanten Inszenierung nicht unerwähnt bleiben. „The Northman“ überspielt den minimalistischen Rache-Plot – mehr Handlung braucht Robert Eggers Wikingerfilm tatsächlich nicht – mit ästhetischen Bildern, einem eindringlichen Score und brachialer Action. Die rar gestreuten, aber umso effektiveren Kampfszenen machen einiges her und wirken mit den animalischen Drohgebärden, der sich in Rage schnetzelnden Kriegern wie ein rohes Duell wilder Bestien. Die blutigen Kämpfe sind dabei nicht weniger stark choreografiert als die Kamerafahrten, die das brutale Treiben aus nächster Nähe einfangen – und das ganz ohne Shaky-Cam.

The Northman ©Universal Pictures

Auch wenn „The Northman“ den ihm nachgesagten dreckigen Look nicht ganz erfüllt – irgendwie sehen die Darsteller*innen dann doch zu gestriegelt aus – hebt er sich mit seiner grimmigen Atmosphäre und der audiovisuellen Brillanz doch deutlich vom herkömmlichen Historien-Actioner ab und entwickelt dabei einen hypnotischen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Mehr braucht es manchmal nicht, um das Publikum in den Bann zu ziehen. Gerade weil Eggers seine Geschichte so simpel hält, kann sich alles auf Bilder, Körper, Rituale und Gewalt konzentrieren. Das macht „The Northman“ nicht tiefgründiger, als er ist, aber deutlich mächtiger, als es der reine Racheplot vermuten lässt.

The Northman ©Universal Pictures

Fazit

„The Northman“ ist ein bildgewaltiges Wikinger-Epos voller Blut, Feuer und nordischer Besessenheit. Der Racheplot bleibt simpel, doch Robert Eggers macht daraus einen audiovisuell überwältigenden Historienfilm, getragen von brachialer Action, grimmiger Atmosphäre und einem entfesselten Alexander Skarsgård.

Bewertung: 4 von 5.