Netflix bekommt, was das Kino nicht wollte
Netflix entpuppt sich immer mehr als Auffangstation ungewollter Filme. Eigentlich sollte der mit Kevin Hart und Woody Harrelson prominent besetzte Action-Spaß „The Man From Toronto“ auf der großen Leinwand erscheinen, doch das Studio überlegte es sich kurzfristig dann doch anders und verscherbelte ihn an den Höchstbietenden. Eine verständliche Entscheidung in Anbetracht des fertigen Films, der seit vergangenen Freitag auf der Streamingplattform mit dem roten „N“ zu sehen ist. Denn so sehr der Name Harrelson nach kantigem Spaß und Kevin Hart nach massentauglichem Chaos klingt, so wenig findet der Film daraus eine funktionierende Mischung. Am Ende wirkt „The Man From Toronto“ wie genau jener Titel, den man aus dem Kinokalender streicht, ohne dass jemand im Saal wirklich etwas verpasst.

Durch eine Verwechslung bei der Buchung einer abgelegenen Airbnb-Wohnung für ein romantisches Wochenende mit seiner Frau, landet der chronische Versager Teddy mitten in einem blutigen Verhör unter Kriminellen. Die warten nämlich auf den Profikiller und Meister der Informationsbeschaffung, schlicht „Der Mann von Toronto“ genannt. Um unbeschadet aus der Nummer wieder herauszukommen, geht Teddy einen Bluff ein und gibt sich als eben jenen kaltblütigen Auftragsgangster aus. Was ihm zunächst den umgangssprachlichen Arsch rettet, wird spätestens mit dem Eintreffen des echten Manns aus Toronto zu einem waghalsigen Abenteuer.

Buddy-Action ohne Buddy-Magie
Kevin Hart trifft auf Woody Harrelson! Ein Satz, der sich gleichzeitig als Drohung und auch als Versprechen deuten lässt. Während der „Zombieland“-Star Woody Harrelson mit seiner Rollenwahl – über „Venom – Let There Be Carnage“ wollen wir an dieser Stelle das Tuch des Schweigens legen – meist ein gutes Händchen bewies, verirrt sich der US-Comedian Kevin Hart gerne mal in unterirdische Komödien. Im Fall von „The Man From Toronto“ wirkt es jedoch eher, als hätte man den armen Harrelson mit aller Gewalt in eine dieser filmischen Gurken gepresst, in denen sich sein Co-Star anscheinend recht wohlzufühlen scheint. Abgesehen vom gewohnt solide agierenden Harrelson will in der Actionkomödie nämlich kaum etwas funktionieren. Hart spielt wieder einmal den panischen Dauerquassler, Harrelson den mürrischen Profi mit Killerblick. Das könnte als Kontrast reichen, tut es aber nicht. Dafür fehlt den beiden jede echte Reibung, jedes Timing, jede Form von anarchischer Energie.

Von einer überraschend gut inszenierten Plansequenz im letzten Drittel mal abgesehen, zünden weder die Action noch die Comedy so wirklich. Die Gags sind größtenteils unglaublich platt und treffen nur in den seltensten Fällen. Die Action selbst wirkt beliebig und lieblos. Dass sich aus einem generischen Plot dank guter Chemie zwischen den Stars dennoch unterhaltsame Buddy-Action zaubern lässt, hat das Genre unzählige Male bewiesen – in „The Man From Toronto“ ist davon jedoch nicht viel zu spüren. Was bleibt, ist ödes Popcorn-Kino, das abseits von einer schön gefilmten Actioneinlage und Woody Harrelson mit „Jason-Statham“-Gedächtnisglatze – stellenweise wirkt seine Figur fast schon wie eine Parodie auf den kaltschnäuzigen Briten – wenig zu bieten hat. Für eine Actionkomödie ist das tödlich. Keine Härte, kein Charme, kaum Witz – nur ein Streamingprodukt, das schon beim Abspann wieder aus dem Gedächtnis fällt.

Fazit
„The Man From Toronto“ ist eine kraftlose Actionkomödie ohne Witz, Charme und echte Chemie zwischen Kevin Hart und Woody Harrelson. Eine ordentliche Plansequenz und Harrelsons Präsenz retten einzelne Momente, doch insgesamt bleibt nur lauwarmes Netflix-Futter aus der Kino-Resterampe.

