Fleisch, Lust und falsche Versprechen
Während Gorehounds bereits geifernd die Klingen wetzen und Freund*innen der knisternden Erotik sich für ein prickelndes Abenteuer bereitmachen, könnte die nachfolgende Besprechung einem metaphorischen Genickbruch bezüglich der durch Cover und Inhaltsangabe geschürten Erwartungen gleichen. Wer sich auf der Suche nach derbem Gekröse und leidenschaftlichem Koitus befindet, sollte bei „Siew Lup“ nicht allzu viel erwarten. Der Low-Budget-Film aus Singapur konzentriert sich über weite Strecken auf seine unglaubwürdige Liebesgeschichte und wirkt, wenn es dann doch mal körperlich wird – sei es Gewalt oder Sex – erstaunlich zurückhaltend. Für einen Film, der mit Fleisch, Begierde und Blut kokettiert, bleibt „Siew Lup“ am Ende ziemlich trocken. Nicht im guten, bösen, schmierigen Sinne, sondern im lähmenden.

Mia arbeitet als Prostituierte und gerät immer wieder an Männer, die sie besitzen, ausnutzen oder kontrollieren wollen. Als der Fleischer Quan sie aus den Händen ihres Zuhälters befreit, scheint zunächst ein neues Leben möglich. Doch die Ehe mit ihm wird schnell zum nächsten Gefängnis. Quan ist eifersüchtig, gewalttätig und lässt seinen Frust an Mia aus. Trost findet sie bei dem Bestattungsunternehmer Wu, der ihr Zärtlichkeit und Verständnis verspricht. Aus der Affäre wird ein gefährliches Spiel aus Abhängigkeit, Gewalt und Rache. Als Quan die Kontrolle endgültig verliert, sieht Mia keinen anderen Ausweg mehr.

Zu brav fürs Blut, zu plump für Erotik
„Siew Lup“ ist weder Fisch noch Fleisch. Für einen Splatterfilm im Stil der berüchtigten CAT-III-Filme aus Hongkong, die sich mit ihren grafischen, oft sexualisierten Gewaltszenen unter Horrorfans großer Beliebtheit erfreuen, wirkt der Genre-Hybrid aus Singapur viel zu zahm. Selbiges gilt auch für die Erotik. Die bloße Zurschaustellung nackter Frauenkörper alleine reicht als Grundlage für einen erotischen Thriller nicht aus. Um echtes Interesse für die Figuren zu erwecken, fehlt es den oberflächlichen Stereotypen an Profil und glaubhaften Entwicklungen. Unsympathische Männer werden als romantische Optionen verkauft, Mia bleibt trotz zentraler Rolle merkwürdig fremdbestimmt, und aus der angeblich gefährlichen Affäre entsteht keine Spannung. Frauen werden auf ihr Äußeres reduziert, und die wenigen Kills finden fast ausschließlich im Off statt – von den willkürlichen Szenenabfolgen ganz zu schweigen. Der Film will verrucht, tragisch und brutal wirken, traut sich aber in keiner dieser Richtungen weit genug vor.

Auch technisch ist „Siew Lup“ eher stümperhaft inszeniert. Das fängt beim dünnen Score an, den man in dieser Form aus unzähligen Soft-Pornos kennt, geht über das furchtbare Schauspiel aller Darsteller*innen und reicht bis hin zum billigen Digital-Look samt selbstzweckhafter Slow-Motion-Aufnahmen verschwitzter Brüste und knapper Hotpants. Alles in allem ist der Erotikthriller mit Splatter-Einlagen – der über weite Strecken eigentlich ein ruhiges Drama ist – eine einzige Enttäuschung. Gerade weil die Grundidee durchaus schmutziges C-Movie-Potenzial hätte, ärgert diese Halbherzigkeit umso mehr. „Siew Lup“ hat weder die dreckige Energie eines Exploitationfilms noch die emotionale Fallhöhe eines Dramas. Übrig bleibt ein Film, der ständig so tut, als würde gleich etwas Enthemmtes passieren – und dann doch wieder wegblendet.

Fazit
„Siew Lup“ scheitert als Splatterfilm, Erotikthriller und Drama gleichermaßen. Zu zahm für Gore, zu plump für echte Erotik und zu unglaubwürdig für emotionales Gewicht. Ein billiger Genre-Mix, der deutlich mehr verspricht, als er tatsächlich liefert.

