Willkommen in Siegheilkirchen [2022] Kritik

Leider konnte der österreichische Karikaturist Manfred Deix die Deutschlandpremiere von „Willkommen in Siegheilkirchen“ auf dem Filmfest München 2021 nach seinem Ableben im Jahr 2016 nicht mehr miterleben. Mit dem nun anstehenden Kinostart der zotigen Komödie wird sein künstlerisches Erbe jedoch auch noch nach seinem Tod weitergetragen. Der deutsch-österreichische Animationsfilm bedient sich nämlich nicht nur des markanten Zeichenstils, mit denen Deix seinen skurrilen Figuren in unzähligen Grafiken, Karikaturen und Cartoons Leben einhauchte, sondern ist darüber hinaus auch noch von seinem eigenen Leben und den Problemen seiner Jugendzeit inspiriert.

Willkommen in Siegheilkirchen ©Pandora Film

Handlung

1960er: Siegheilkirchen ist ein kleines erzkatholisches Örtchen irgendwo tief in den Alpen. Seit seiner Geburt fristet der von allen nur „Rotzbub“ betitelte Sohn einer einfachen Familie sein Dasein in seiner konservativen Heimat. Einzig das Zeichnen von kreativen Karikaturen macht ihm große Freude. Als sein Schulabschluss immer näher rückt und sich seine Freunde dem Traditionsbewusstsein unterordnen, um – wenn auch widerwillig – in die beruflichen Fußtruppen ihrer Väter und Mütter zu treten, hat er so gar keine Lust auf die gesellschaftlichen Zwänge. Also widmet er sich lieber seinen schlüpfrigen Zeichnungen, die bei der spießigen Dorfgemeinde überhaupt nicht gut ankommen…

Willkommen in Siegheilkirchen ©Pandora Film

Kritik

Animationen mit Mut zur Hässlichkeit. Mangelnde Detailverliebtheit kann man „Willkommen in Siegheilkirchen“ bei all den tiefen Poren, eitrigen Pickeln und rosigen Flecken auf den Wangen der dümmlich dreinblickenden Figuren nicht vorwerfen. Die von Manfred Deixs Zeichnungen inspirierten Dorfbewohner– Deix wirkte selbst als Art Director am Film mit – sind tatsächlich nett anzusehen. Leider können der Fäkal-Humor und die Sex-Witzchen  – hihi ein Penis – mit dem interessierten Look nicht mithalten. Lustig ist der Animationsfilm nämlich nicht.

Willkommen in Siegheilkirchen ©Pandora Film

Ein etwas anderer Heimatfilm. Trotz des alpinen Settings ist „Willkommen in Siegheilkirchen“ natürlich alles andere als ein klassischer Heimatfilm und lässt sich mit dem zottingen Blödelhumor vielmehr mit der Animationskomödie „Das kleine Arschloch“ von 1997 vergleichen. Anders als man es bei dem rebellischen Titel jedoch erwarten könnte, ist „Willkommen in Siegheilkirchen“ jedoch keine ernstzunehmende oder gar provokante Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus. So geht es auf der einen Seite zwar um Intoleranz, Fremdenhass und Rassismus – der Fokus liegt jedoch mehr auf den ganz normalen Teenagerproblemen.

Willkommen in Siegheilkirchen ©Pandora Film

Mit der Aufarbeitung des harten Wegs des Erwachsenwerden kann „Willkommen in Siegheilkirchen“ wiederum punkten. Während Teenager auch heutzutage noch mit Orientierungslosigkeit und der Entdeckung der eigenen Sexualität zu kämpfen haben, muss sich der „Rotzbub“ im traditionellen, erzkatholischen Bergland der 1960er noch mit einem veralteten Wertesysteme und festgefahren Bräuchen herumschlagen, um letztlich seine Träume verwirklichen zu können. In diesen Momenten funktioniert der Animationsfilm dann auch am besten.

Willkommen in Siegheilkirchen ©Pandora Film

Fazit

Selten lustig, manchmal herzlich!

Bewertung: 2.5 von 5.

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