Der Spinnenkopf | Film – Kritik: Netflix testet den freien Willen

Top Gun-Regisseur im Netflix-Labor

Während Joseph Kosinskis Action-Blockbuster „Top Gun 2: Maverick“ aktuell einen Siegeszug in den Kinosälen feiert, erhielt sein wesentlich kleinerer, nicht minder prominent besetzter Sci-Fi-Film still und heimlich Einzug in die Streamingwelt. Allzu viel Aufsehen gab es rund um die Veröffentlichung von „Spiderhead“ (dt. „Der Spinnenkopf“) nämlich nicht – ob es am geringen Vertrauen in den Stoff seitens Netflix liegt? Ganz abwegig wirkt der Gedanke nach der Sichtung nicht. Denn obwohl der Film mit Chris Hemsworth, Miles Teller, einem abgeschotteten Hochsicherheitslabor und einer hübsch finsteren Grundidee einiges auffährt, bleibt daraus erstaunlich wenig hängen.

Der Spinnenkopf ©Netflix

Steve Abnesti ist ein Visionär. Neben seiner Tätigkeit als Leiter eines hochmodernen Gefängnisses, arbeitet er mit neuartigen Medikamenten, die sich aktiv auf die Empfindungen der Probanden auswirken. Die Insass*innen dienen ihm dafür als Testpersonen und können sich dank der Teilnahme an der Studie ihre Haftstrafe verkürzen. Einer dieser Freiwilligen ist Jeff. Mit fortschreitenden Tests, die ihn mental mehr und mehr zu verändern scheinen, beginnt er an den Methoden von Steve zu zweifeln und kommt dabei einer ungemütlichen Wahrheit auf die Schliche…

Der Spinnenkopf ©Netflix

Gefühle aus der Ampulle

Ist der freie Wille nur eine Illusion? „Spiderhead“ ist ein düsterer Sci-Fi-Thriller im gesellschaftskritischen Korsett und verfolgt im Kern durchaus spannende ethische Fragen, deren Aufarbeitung jedoch nie überraschend oder tiefgründig genug ausfällt. Der Einsatz von häufig deplatziert wirkendem Humor und der vorhersehbare Plot stehen dem Netflix Original meist im Weg und ersticken die interessanten Ansätze im Keim. Dabei liegt hier eigentlich genug Stoff für ein giftiges Kammerspiel über Kontrolle, Schuld und pharmazeutische Machtfantasien. Nur traut sich „Der Spinnenkopf“ nie, aus seiner Versuchsanordnung wirklich unangenehm zu werden. Der Film stellt Fragen, nickt kurz in ihre Richtung und rennt dann lieber weiter zum nächsten halbgaren Wendepunkt.

Der Spinnenkopf ©Netflix

Nicht einmal die Stars können Akzente setzen. Während Miles Teller in seiner Rolle als Jeff komplett blass bleibt, ist Chris Hemsworth zumindest bemüht, das Beste aus seiner oberflächlichen Figur zu holen. Leider nimmt man ihm den wissenschaftlichen Leiter nicht ab. Nichtsdestotrotz wertet der natürliche Charme von Teller und Hemsworth „Spiderhead“ auf, auch wenn beide kaum Möglichkeiten bekommen, sich zu entfalten. Mit dem reduzierten Setting, dem ethischen Hintergrund und der dystopischen Science-Fiction eifert „Spiderhead“ seinem großen Vorbild „Ex Machina“ nach, fühlt sich letztlich jedoch viel mehr wie der vom Konkurrenten Amazon produzierte Sci-Fi-Flop „Voyagers“ aus dem vergangenen Jahr an. Der Inszenierung fehlt es an eigener Identität, die Dialoge führen größtenteils ins Leere und statt philosophischer Antworten liefert das Finale lieber eine stereotype Liebesgeschichte.

Der Spinnenkopf ©Netflix

Fazit

„Der Spinnenkopf“ hat eine spannende Prämisse, ein starkes Setting und prominente Namen, macht daraus aber nur schwache Sci-Fi mit blassen Stars. Weder ethisch scharf noch spannend genug – ein Netflix Thriller, der seine besten Ideen viel zu schnell verdampfen lässt.

Bewertung: 2 von 5.