Harlow wird gentrifiziert, Leatherface sägt dagegen
Nachdem „Scream“ Anfang des Jahres die Flut an Requels endgültig entmystifizieren konnte, kommt mit „Texas Chainsaw Massacre“ eine weitere Neuauflage eines Horror-Franchise um die Ecke und erfüllt dabei – von der Titelwahl bis zum Wiedersehen mit alten Figuren – wirklich jedes Klischee, das diese Art Film mit sich bringen kann. Legacy-Figur zurückholen, jungen Cast davorstellen, alten Mythos zitieren, bisschen Gegenwartsbezug draufstreuen und hoffen, dass Nostalgie den Rest erledigt. Nur hat hier offenbar niemand gefragt, ob Leatherface in diesem Baukasten überhaupt noch etwas zu suchen hat.

Viele Jahre nach dem ursprünglichen Massaker reisen Melody, ihre Schwester Lila und ihre Freund*innen in das verlassene Städtchen Harlow, Texas. Der Plan: den Ort kaufen, vermarkten und mit jungem, kreativem Leben füllen. Was als Gentrifizierungsprojekt mit Influencer-Anstrich beginnt, weckt jedoch eine alte Gewalt, die besser vergessen geblieben wäre. In einem verlassen wirkenden Waisenhaus stoßen die Neuankömmlinge auf Leatherface, der nach einem Todesfall erneut zur Kettensäge greift. Während Harlow zum Schlachtfeld wird, kehrt auch Sally Hardesty zurück, die das erste Massaker überlebt hat und seit Jahrzehnten auf Rache wartet.

Kein Dreck, keine Hitze, keine Atmosphäre
Die Gentrifizierung macht auch vor Harlow, Texas nicht halt – Leatherface gefällt das nicht! Was sich wie ein alberner Scherz anhört, ist leider bittere Realität & der erste Punkt auf einer langen Liste, die das Drehbuch von „Texas Chainsaw Massacre“ als absolute Katastrophe enttarnt! Darüber hinaus bekommen die unglaublich nervigen und unsympathischen Figuren keinerlei Profil. Alle Details, die wir über sie erfahren, erhalten wir einzig und allein über die hölzernen Dialoge – eine echte Bindung untereinander ist nie zu spüren. Das verhindert jede Art von Empathie & macht aus der kurzen Netto-Laufzeit von 73 Minuten eine spannungsbefreite Geduldsprobe, die sich extrem in die Länge zieht. Dabei lässt „Texas Chainsaw Massacre“ jede Art von Feeling vermissen. Vom dreckigen Look der Reihe, der selbst in Michael Bays Remake Einzug erhielt, bleibt nichts mehr übrig. Atmosphäre? Fehlanzeige! Die drückende Hitze Texas weicht zugunsten von Partys, Hipstern und verregneten Nachtaufnahmen. Aber hey: Leatherface ist jetzt live auf Insta!

Dass dieser zwischenzeitlich Mitte 70 sein müsste, ist dem Skript herzlich egal & zu keiner Zeit erkennbar. Auch die Storyline über Oma Sally, die das erste Massaker überlebte & nun nach Rache sinnt, wirkt völlig deplatziert. Um nicht nur auf „Texas Chainsaw Massacre“ einzudreschen, soll an dieser Stelle der recht interessante, metallische Score erwähnt werden. Und ein echtes Highlight hält der Horrorfilm dann doch noch parat: Wenn sich Leatherface in einem verschlossenen Bus minutenlang durch eine Horde Hipster sägt, ist das tatsächlich amüsanter Fun-Splatter der Extraklasse, der in Sachen Spaß am Gemetzel an das Finale von „Piranha 3De“ erinnert. Allein dafür lohnt sich eine Sichtung dann irgendwie doch!

Fazit
„Texas Chainsaw Massacre“ ist ein weiteres missglücktes Requel ohne Atmosphäre, Figuren oder Gespür für die Reihe. Der Bus-Splatter macht kurz Laune, doch davor und danach bleibt nur ein uninspirierter Netflix-Schlitzer mit Kettensäge und Franchise-Pflichtübungen.

