Adam Sandler kann auch leise gewinnen
Netflix trifft Adam Sandler – im Jahr 2020 bescherte uns genau diese Kombi mit „Uncut Gems“ nicht nur ein grandioses Meisterwerk, sondern gleichzeitig auch noch den besten Film des gesamten Jahres. Darin bewies der Comedian, dass in ihm mehr als nur platte Pipi-Kaka-Witzchen, sondern auch ein verdammt großes schauspielerisches Talent steckt. Mit seiner neuen Netflix-Produktion, dem warmherzigen Basketball-Drama „Hustle“, schlägt Sandler nun erneut in eine ähnliche Kerbe und überzeugt wieder auf allen Ebenen – auch wenn der Film nicht frei von Fehlern ist. Statt nervösem Diamantenrausch gibt es diesmal Sportfilm nach klassischem Bauplan, aber eben einen, der weiß, wie viel ein guter Hauptdarsteller, echte Basketball-Liebe und ein bisschen Schweiß auf dem Parkett ausmachen können.

Stanley Sugerman (Adam Sandler) arbeitet als Scout für die Philadelphia 76ers und verbringt sein Leben zwischen Flughäfen, Hotelzimmern und Basketballhallen. Sein großer Traum ist ein Platz als Coach, doch stattdessen soll er weiter Talente rund um den Globus suchen. In Spanien entdeckt er den Straßenbasketballer Bo Cruz (Juancho Hernangómez), dessen Fähigkeiten ihn sofort überzeugen. Gegen Widerstände innerhalb seines Teams bringt Stanley den jungen Spieler in die USA und setzt alles daran, aus ihm einen NBA-Profi zu machen. Für beide wird der Weg zur Chance, noch einmal zu beweisen, dass sie mehr können, als andere ihnen zutrauen.

Netflix erweitert die Underdog-Formel mit authentischem Basketball-Feeling
Neben Adam Sandler selbst, der den charismatischen Sympathieträger Stanley mit viel natürlichem Charme und einem facettenreichen Schauspiel verkörpert, besticht „Hustle“ mit liebenswerten Figuren und einem authentischen Blick in die Welt des Basketballs. Der Cast besteht zu großen Teilen aus echten NBA-Profis, was dem Drama noch mehr Authentizität verleiht und stellenweise fast schon dokumentarisch daherkommt. Gerade diese Nähe zum Sport macht den Unterschied. Die Trainingsmontagen, die Tryouts, die kleinen Gesten auf dem Court wirken nicht wie Hollywood, das Basketball spielt, sondern wie Basketball, der kurz Hollywood darf. Sandler hält sich dabei angenehm zurück und spielt Stanley als müden, aber nie zynischen Mann, der in Bo auch ein Stück seiner eigenen verpassten Chance erkennt.

Auf der erzählerischen Ebene darf man jedoch keine besonderen Überraschungen erwarten. Die klassische Underdog-Story wandert trotz starker Inszenierung und liebevoller Charakterzeichnung erzählerisch stets auf bekannten Genrepfaden. Wer schon mal einen Sportfilm gesehen hat, weiß sofort, wo die Reise hingehen wird – Spaß macht dieser Trip jedoch allemal. Nicht der nächste „Uncut Gems“, aber ein verdammt starkes Sportdrama. Dass „Hustle“ trotzdem funktioniert, liegt an seiner Ehrlichkeit gegenüber dem Genre. Der Film tut nicht so, als hätte er die Außenseitergeschichte neu erfunden. Er setzt lieber auf Tempo, Herz und die Chemie zwischen Sandler und Hernangómez. Manche Konflikte bleiben etwas schematisch, manche Wendung kommt ziemlich pünktlich, aber die emotionale Linie sitzt.

Fazit
„Hustle“ ist ein authentisches Basketball-Drama mit starkem Adam Sandler, viel Herz und echtem Gespür für den Sport. Die Underdog-Geschichte überrascht kaum, doch Figuren, Tempo und Basketball-Atmosphäre machen daraus einen warmen, sympathischen Netflix Film.

