Come as you are | Film – Kritik: Mit Vollgas zur Selbstbestimmung

Sex, Sehnsucht und ein Roadtrip nach Montreal

Als Asta Philpot seine Jungfräulichkeit verlor, war er 24 Jahre alt. Aufgrund einer schweren Krankheit verbringt er sein gesamtes Leben im Rollstuhl – unfähig, seine Beine und seine Arme zu bewegen. Erst bei einem Besuch in einem Bordell konnte er endlich seine sexuellen Bedürfnisse ausleben. Heute tritt er als Botschafter dafür auf, die Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren – denn Sex sollte für jeden da sein. Aus dieser wahren Geschichte wurde bereits mehrfach Filmstoff gewonnen. „Come as you are“ nähert sich ihr nun als amerikanische Tragikomödie, die über Behinderung, Begehren und Selbstbestimmung spricht, ohne daraus eine steife Betroffenheitsveranstaltung zu machen.

Come as you are ©Pandastorm Pictures

Scotty, Matt und Mo leben mit unterschiedlichen körperlichen Einschränkungen, haben aber einen sehr ähnlichen Wunsch: Sie wollen endlich Sex haben. Während ihre Familien sie umsorgen, kontrollieren oder unterschätzen, wächst bei den drei jungen Männern der Frust darüber, dass ihre Sehnsucht nach Nähe kaum ernst genommen wird. Als sie von einem Bordell in Montreal erfahren, das auf Menschen mit Behinderung eingestellt ist, beschließen sie, heimlich dorthin zu fahren. Begleitet von der Fahrerin Sam beginnt ein Roadtrip, der für alle Beteiligten anstrengender, chaotischer und emotionaler wird, als es der ursprüngliche Plan vermuten lässt.

Come as you are ©Pandastorm Pictures

Denn Sex sollte für jeden da sein

Nach einer Dokumentation von BBC und den europäischen Spielfilmen „Hasta La Vista“ und „Adios Amigos“ ist „Come as you are“ bereits die vierte Interpretation der Geschichte von Asta Philpot. In der amerikanischen Tragikomödie machen sich Scott, Matt und Mo, drei Männer mit Behinderung, auf den langen Weg nach Montreal, um dort ein speziell für Menschen mit Behinderung ausgelegtes Bordell zu besuchen. Dabei besticht das sehenswerte Road-Movie mit einer unglaublich einfühlsamen Geschichte, die die gesamte Gefühlspalette abdeckt und trotz des überwiegend humoristischen Tons letztlich auch zu Tränen rührt. Der Film weiß, dass sein Thema schnell in falsche Hände geraten könnte: zu derb, zu rührselig, zu brav. Richard Wong findet aber meistens die richtige Temperatur zwischen frechem Humor und echter Verletzlichkeit.

Come as you are ©Pandastorm Pictures

Vornehmlich wandert „Come as you are“ auf bekannten Pfaden des klassischen Teeniefilms über eine Gruppe Jungs, die endlich ihre Jungfräulichkeit verlieren möchten. Dabei arbeitet Regisseur Richard Wong seine Message aber derart clever und feinfühlig ein – und spielt gleichzeitig mit Genrekonventionen –, dass die Tragikomödie zu so viel mehr als nur einem weiteren „Superbad“-Ableger wird. Einzig der Fakt, dass der Haupt-Cast keine Menschen mit Behinderung umfasst, hinterlässt ein kleines Geschmäckle. Etwas schade in Anbetracht der ansonsten sensiblen Aufarbeitung des Themas.

Come as you are ©Pandastorm Pictures

Fazit

„Come as you are“ ist eine einfühlsame Tragikomödie über Sex, Freundschaft und Selbstbestimmung. Der Film ist lustig, warmherzig und stellenweise überraschend berührend, auch wenn die Besetzung ohne behinderte Hauptdarsteller einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Bewertung: 4 von 5.