Testosteron, Dienstwaffen und Herzklopfen
Mit dem subtilen Horror-Drama „Lamb“ konnte das isländische Kino Anfang des Jahres mit einer echten Perle auf sich aufmerksam machen. Dabei ist der nordische Inselstaat mit nicht einmal 400.000 Einwohnern alles andere als ein großes Filmland. Nun steht mit „Cop Secret“ aber schon der nächste Ausnahmefilm aus Island in den Startlöchern. Nach den durchaus positiven Reaktionen auf diversen Filmfestivals womöglich der nächste große Wurf? Zumindest die Grundidee klingt nach einer Steilvorlage: eine queere Actionkomödie, die Macho-Cop-Kino, Buddy-Dynamik und romantische Verwirrung in einen Mixer wirft. Nur kommt am Ende leider deutlich weniger raus, als diese Mischung verspricht.

Bussi ist der härteste Polizist von Reykjavik, zumindest sieht er sich selbst gerne so. Gemeinsam mit seinem Team jagt er Bankräuber, posiert mit Dienstwaffe und versucht, jede Unsicherheit unter möglichst viel Machogehabe zu begraben. Als eine Serie spektakulärer Überfälle die Stadt erschüttert, bekommt er ausgerechnet Hörður an die Seite gestellt, einen nicht minder selbstbewussten Kollegen, mit dem er sofort in Konkurrenz gerät. Zwischen Verfolgungsjagden, Eitelkeiten und Testosteron entwickelt sich allerdings mehr als nur berufliche Reibung. Während die Ermittlungen eskalieren, muss Bussi nicht nur einen Kriminalfall lösen, sondern auch mit Gefühlen klarkommen, die so gar nicht in sein eigenes Männerbild passen.

Viel Macho-Parodie, wenig Treffer
Harte Typen, dicke Knarren – und die Liebe! Auf dem Papier klingt „Cop Secret“ nach einem Comedy-Traum, den man nicht verpassen möchte. Zwei testosterongeladene Badboys, die sich ineinander verlieben und dabei noch das komplette Actiongenre hopps nehmen, klingt tatsächlich höchstinteressant. Doch das Potenzial wird zu keinem Zeitpunkt ausgeschöpft. So wird sich zwar händeringend darum bemüht, Filme wie die „Bad Boys“-Reihe zu persiflieren – witzig ist das aber zu keiner Sekunde. Die Action selbst wirkt – Satire hin oder her – stets wie eine schlechte Kopie diverser Großproduktionen. Das Problem ist nicht, dass „Cop Secret“ billig aussieht. Eine gute Parodie darf ruhig nach Klebeband, Kunstblut und zu viel Überzeugung riechen. Das Problem ist, dass der Film seine Gags selten wirklich zuspitzt. Einzig der trashig-schnulzige Soundtrack macht richtig Laune. Die kitschigen Popsongs in den unpassendsten Momenten bleiben das einzige Highlight in einem ansonsten enttäuschenden Film. Da wäre viel mehr drin gewesen. Gerade die queere Komponente hätte der ausgelutschten Buddy-Cop-Formel etwas Eigenes geben können, doch auch daraus entsteht kaum mehr als ein netter Einfall, der zwischen bemühten Pointen und schwacher Action versandet. „Cop Secret“ will laut, liebevoll, bescheuert und subversiv sein, landet aber zu oft bei Klamauk ohne Timing. Für einen Film, der das Macho-Actionkino entkleiden will, hängt erstaunlich wenig darunter.

Fazit
„Cop Secret“ hat eine starke Grundidee, einen herrlich kitschigen Soundtrack und genug Ansatzpunkte für eine böse Buddy-Cop-Parodie. Leider fehlt es an Timing, guten Gags und überzeugender Action. Gut gemeint, dürftig umgesetzt – da wäre deutlich mehr drin gewesen.

