Ambulance | Netflix Film – Kritik: Michael Bay dreht wieder frei

Netflix versteht Bayhem als Versprechen

Wo Michael Bay draufsteht, ist auch Michael Bay drin. Was wie eine Drohung klingt, ist im Fall seines jüngsten Kinofilms, dem furiosen Actionthriller „Ambulance“, tatsächlich als Versprechen und weniger als Warnung zu verstehen. Der mit Jake Gyllenhaal und Yahya Abdul-Mateen II hervorragend besetzte No-Brainer fühlt sich in seiner gesamten Inszenierung nämlich wie Bays 90er-Jahre-Kracher „The Rock“ oder „Bad Boys“ an und hebt sich dadurch deutlich vom lahmen CGI-Gekloppe seiner „Transformers“-Reihe ab. Hier fliegen keine Blechroboter durch digitale Staubwolken, sondern Krankenwagen durch Los Angeles, während die Kamera röhrt, kreist, stürzt und jede Straßenecke so behandelt, als müsste sie gleich explodieren.

Ambulance ©Universal Pictures

Will Sharp (Yahya Abdul-Mateen II) braucht dringend Geld für die medizinische Behandlung seiner Frau. Aus Verzweiflung wendet er sich an seinen Adoptivbruder Danny (Jake Gyllenhaal), der ihm statt eines Kredits direkt einen Banküberfall anbietet. Der Plan geht erwartungsgemäß schief, ein Polizist wird angeschossen, und die Brüder kapern auf der Flucht einen Krankenwagen. Mit der Sanitäterin Cam Thompson (Eiza González), dem verletzten Cop und der Polizei von Los Angeles im Nacken beginnt eine Verfolgungsjagd, bei der aus jedem Ausweg nur das nächste Problem wird.

Ambulance ©Universal Pictures

Echte Action, echter Wahnsinn

Mit seinem Highspeed-Actionthriller „Ambulance“ beweist Michael Bay, dass ihm „echte“ Action deutlich besser zu liegen scheint als großer Effekt-Bombast aus dem Computer – auch wenn er es auch hier schafft, selbst eine vermeintlich geerdete Verfolgungsjagd völlig over-the-top zu inszenieren. Entweder man liebt es oder hasst es! Natürlich bietet „Ambulance“ neben dem kurzweiligen Schauwert auch offensichtliche Kritikpunkte. Bay filmt Los Angeles, als hätte jemand eine Drohne mit Energy-Drink betankt und ihr jede Form von Selbstkontrolle verboten. Das ist oft irre, manchmal lächerlich, aber fast immer mit einer Energie aufgeladen, die vielen modernen Actionfilmen inzwischen fehlt.

Ambulance ©Universal Pictures

So bekommt Nebendarstellerin Eiza González zwar mehr zu tun als einst Megan Fox, so ganz kann sich Bay jedoch nie von seinem eingestaubten Frauenbild lösen. Im Großen und Ganzen entpuppt sich „Ambulance“ trotz der vorangegangenen Bedenken als durchweg positive Überraschung. Ein schnörkelloser Actionthriller – absurd, komplett drüber und unglaublich spannend. Macht schon Bock! Jake Gyllenhaal darf als überdrehter Danny hemmungslos eskalieren, Yahya Abdul-Mateen II gibt dem Chaos einen emotionalen Anker, und González hält den Film immer dann zusammen, wenn Bay mal wieder kurz davor ist, sich komplett in Sirenen, Schusswechseln und kreischenden Reifen zu verlieren. Feinsinn sucht man hier vergeblich. Tempo nicht.

Ambulance ©Universal Pictures

Fazit

„Ambulance“ ist Michael Bay in Reinform: laut, absurd, hektisch, drüber und genau deshalb ziemlich unterhaltsam. Nicht frei von alten Bay-Schwächen, aber als schnörkelloser Highspeed-Actionthriller mit starkem Cast und echter Kinowucht eine verdammt positive Überraschung.

Bewertung: 3.5 von 5.