Wenn der Thriller nur so tut, als wäre er verzwickt
Ein guter Psychothriller ist wie ein kunstvoll gewebtes Netz, das das Publikum mit auf eine fesselnde Reise nimmt, die von subtiler Unruhe bis hin zu unerbittlicher Spannung reicht. Das Erfolgsgeheimnis dieses Genres liegt in der Fähigkeit, nicht nur Ängste zu schüren, sondern auch die tiefsten Sehnsüchte, geheimsten Wünsche und finstersten Ängste des menschlichen Geistes zu beleuchten. „Doppeltes Spiel“ gelingt nichts davon. Statt schleichender Verunsicherung gibt es eine Geschichte, die sich komplizierter gibt, als sie ist, Figuren, die selten glaubhaft handeln, und einen Thriller, der seine große Mystery-Fassade schon nach kurzer Zeit wie eine schlecht befestigte Kulisse vor sich herschiebt.

Sam (Zach Avery) hat nach dem gewaltsamen Tod seiner Freundin Georgia (Samara Weaving) versucht, in Paris neu anzufangen. Drei Jahre später sieht er in einem Film eine Frau, die ihr erschreckend ähnlich sieht, und ist überzeugt, dass Georgia noch lebt. Getrieben von Trauer, Besessenheit und der Hoffnung auf eine unmögliche Wahrheit reist er zurück in die USA. Dort sucht er gemeinsam mit seinem Freund Kat und dem ehemaligen Bodyguard Ratty nach Antworten. Je näher Sam der vermeintlichen Spur kommt, desto mehr gerät sein Leben aus den Fugen – und desto deutlicher wird, dass hinter Georgias Verschwinden mehr steckt als ein einfacher Mordfall.

Samara Weaving gegen die Belanglosigkeit
Nein, „Doppeltes Spiel“ ist kein weiterer Netflix-Thriller von der Stange – fühlt sich aber sehr danach an. Mit seiner hanebüchenen Story und der lieblosen Inszenierung hätte sich der US-amerikanische Thriller eigentlich perfekt in das doch sehr belanglose Thrillersortiment des Streamingdienstes eingefügt. Was sich nun stellt, ist die Frage nach der Daseinsberechtigung eines Films, der außerhalb eines Abonnements, bei dem man einen fixen Betrag bezahlt, um das komplette Angebot ohne weitere Kosten zu nutzen, höchstens aufgrund seiner bekannten Hauptdarstellerin für Aufsehen sorgen dürfte. Aber was soll’s: Samara Weaving ist immerhin ein Argument!

Guter Gedanke – leider falsch! Wieso sich die sympathische Australierin nach Filmen wie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017), „The Babysitter“ (2017), „Ready or Not“ (2019) oder „Guns Akimbo“ (2019) dafür entschieden hat, ausgerechnet für einen nichtssagenden Genrefilm wie „Doppeltes Spiel“ mehrfach blank zu ziehen, hinterlässt dicke Fragezeichen. Abgesehen von der selbstzweckhaften Zurschaustellung seiner nackten Hauptfigur scheint der psychologische Thriller grundsätzlich wenig mit seinen Ideen anzufangen. Statt aus der vielversprechenden Prämisse einen verzwickten Mindfuck und / oder fiesen Stalkerfilm zu basteln, entscheiden sich die Regiebrüder Colin und James Krisel für einen generischen Kriminal-Plot ohne Suspense und Spannung. Von der mangelhaften Figurenzeichnung und den unglaubwürdigen Beweggründen der Charaktere ganz zu schweigen.

Fazit
„Doppeltes Spiel“ ist ein maues Psychospielchen ohne echte Spannung, ohne psychologische Schärfe und ohne überzeugende Figuren. Samara Weaving bleibt der einzige nennenswerte Grund hinzusehen, doch selbst sie kann diesen generischen Thriller nicht vor der Belanglosigkeit retten.

