Thrash | Kritik: Zahnlose Haie auf Netflix – bissig geht anders!

Thrash Netflix Film 2026
TitelThrash
Genre Thriller
Jahr2026
FSK16
RegieTommy Wirkola

Starttermin: 10.04.2026 | Netflix

Sturmwarnung bei Netflix: „Thrash“ versinkt in der Belanglosigkeit

Wenn ein großer Name wie Sony Pictures vor einem Netflix-Logo auftaucht, ist Vorsicht geboten. Nicht, weil Größe automatisch Qualität ausschließt – sondern weil sie oft das Gegenteil kaschiert. Hinter solchen Deals steckt selten künstlerischer Mut, sondern kalkulierte Schadensbegrenzung. Studios testen, verwerfen, zweifeln – und reichen weiter. Netflix wird zum Auffangbecken für Projekte, die im Kino kein Vertrauen mehr genießen. Das System macht wirtschaftlich durchaus Sinn: Risiko auslagern, Verluste vermeiden, Image retten. Was bleibt, sind Filme, die sich anfühlen wie Entwürfe ohne Überarbeitung. Beispiele gibt es genug – von „The Cloverfield Paradox“ bis „The Ridiculous 6“, beide Produkte eines Systems, das lieber schnell verkauft als gründlich verbessert. Und genau in diese Kategorie fällt auch „Thrash“. Wenn das Sony Pictures-Logo vorangestellt wird, nur damit Netflix es stillschweigend übernimmt, ist das selten ein gutes Zeichen – sondern eher ein stilles Eingeständnis.

Thrash Netflix Film 2026
Thrash ©Netflix

Dass das Konzept hinter „Thrash“ eigentlich funktionieren könnte, macht das unterwältigende Hai-Erlebnis auf Netflix umso frustrierender – „Crawl“ von Alexandre Aja hat es schließlich vorgemacht. Ein tosender Sturm, ein begrenztes Setting, keine Haie, dafür Alligatoren, als konstante Bedrohung – Survival-Horror eben, reduziert auf das Minimum, und genau deswegen umso effektiver. Der Ansatz von „Thrash“ ist nahezu identisch. Eine Küstenstadt, ein Hurrikan der Kategorie 5 – und plötzlich wimmeln die überfluteten Straßen nur so vor hungrigen Bullenhaien. Aus der Naturkatastrophe wird ein Belagerungszustand. Im Zentrum dieser misslichen Lage steht eine schwangere Frau, die im Chaos ums Überleben kämpft, während um sie herum alles kollabiert. Ein minimalistisches Setup, das eigentlich kaum schiefgehen kann, wenn man auf die Mechanismen des Genres vertraut. Doch genau hier beginnt Tommy Wirkola sich selbst auszuhebeln – weil er der Einfachheit nicht vertraut.

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Wirkola verkocht die „Crawl“-Formel zur faden Fischsuppe

Nachdem Wirkola mit „Dead Snow“ in seiner Heimat Norwegen und später mit „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ auch in Hollywood angekommen, bewiesen hat, dass er ein fantastisches Gespür für überzeichnete Genremechaniken, Tempo und einen gewissen augenzwinkernden Stil besitzt, wirkt die jüngste Entwicklung umso ernüchternder. Schon sein träges Weihnachts-Gemetzel „Violent Night“ deutete an, dass von seiner Handschrift wenig übrig geblieben ist. „Thrash“ jedoch markiert nun den vorläufigen Tiefpunkt. Was nach großem Katastrophenkino aussieht, entpuppt sich schnell als B-Movie im Blockbuster-Gewand: technisch ordentlich, stellenweise sogar solide inszeniert, insbesondere in den Momenten, in denen die Haiattacken greifen und das große Fressen beginnt. Doch genau dort, wo Energie, Dynamik oder zumindest ein Hauch von Selbstironie entstehen könnte, bleibt der Film seltsam leblos. Die Inszenierung verharrt in einer gleichförmigen Ernsthaftigkeit, die weder Spannung erzeugt noch Raum für unterhaltsamen Eskapismus lässt – sodass man sich fast nach ehrlichem, ungeschliffenem Trash sehnt, der seine eigene Absurdität wenigstens zelebriert.

Thrash Netflix Film 2026
Thrash ©Netflix

„Thrash“ hingegen nimmt sich mit einer Konsequenz ernst, die ihm schlicht nicht steht. Statt die eigene Prämisse auszureizen oder spielerisch zu überhöhen, klammert sich das Netflix zahnlose Original an die abgegriffenen Versatzstücke des Katastrophenkinos und verliert sich dabei zunehmend in Belanglosigkeit. Mit wachsendem Figurenensemble zerfasert auch der Fokus: Einzelne Schicksale bleiben oberflächlich, Konflikte wirken konstruiert, emotionale Ankerpunkte fehlen  vollständig. Die Haie – eigentlich das zentrale Bedrohungselement – rücken dabei immer weiter in den Hintergrund und verkommen zur bloßen Kulisse für Dialoge und Nebenhandlungen, die nie Relevanz entfalten. Selbst ein bewusst quatschiger Netflix-Kollege wie „Im Wasser der Seine“ funktionierte trotz seiner offenkundigen Albernheit deutlich besser, weil er zumindest ein Gespür für Tempo und Unterhaltung hatte. „Thrash“ dagegen bleibt schwerfällig, spannungsarm und erstaunlich ideenlos – ein Film ohne Rhythmus und Witz. Und während Szene um Szene verstreicht, drängt sich unweigerlich die Frage auf, was von Wirkolas Esprit übrig geblieben ist: Wo sind die kreative Lust, die Leichtigkeit, der spielerische Umgang mit Genre, die seine früheren Arbeiten noch getragen haben? Erst 5 Minuten vor Schluss gibt es sie, die zwei Minuten von dem, was man sich von Anfang an gewünscht hätte. Wieso nicht gleich so?

Thrash Netflix Film 2026
Thrash ©Netflix

Fazit

„Thrash“ scheitert nicht an seiner Prämisse, sondern an seiner eigenen Unsicherheit – und daran, dass er nie entscheidet, was er eigentlich sein will: ernsthafter Thriller oder unterhaltsamer Genre-Trip. Genau daran geht er unter.

Bewertung: 1.5 von 5.
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