| Titel | Don’t Trip |
| Genre | Horror, Komödie |
| Jahr | 2025 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Alex Kugelman |
Kinostart: unbekannt
Fame, Daddy Issues und ein Funken Wahnsinn
In Zeiten, in denen wir mit Filmen überhäuft werden und jede Woche zahlreiche neue Veröffentlichungen anstehen, wird es immer schwieriger, in der Masse nicht unterzugehen. Es reicht längst nicht mehr, dass ein Film gut ist, er muss auch kreativ vermarktet werden. Ein einzelner TikTok- oder Instagram-Post bewirkt da kaum noch etwas. Regisseur Alex Kugelman hatte dafür eine clevere Idee: Er nutzte die beliebte Filmplattform Letterboxd und fragte zahlreiche User an, ob sie Interesse hätten, sein Regiedebüt zu reviewen. Das sorgte nicht nur für humorvolle Kommentare in den Bewertungen, sondern verschaffte dem Film schon vor seiner Veröffentlichung auf der US-amerikanischen Streamingplattform Tubi einen kleinen Schub an Aufmerksamkeit.

Und das ganz ohne Verbindungen zu einem Nepo Baby. Genau darum dreht sich nämlich „Don’t Trip“. Nachdem der junge Dev (Matthew Sato) seinen Assistentenjob verliert, sucht er verzweifelt nach einer Möglichkeit, sein Drehbuch doch noch an den Mann zu bringen. Ohne die richtigen Kontakte gestaltet sich das jedoch schwieriger als gedacht. Also fasst Dev einen fragwürdigen Plan: Er versucht sich mit dem problematischen Trip Lefkowitz (Will Sennett) anzufreunden, dem Sohn des berühmten Filmproduzenten Scot Lefkowitz (Fred Melamed). Anfangs scheint alles zu funktionieren, doch nach und nach führt Trips mentaler Zustand Dev an dunkle und gefährliche Orte.

Nepotismus als tödliche Gefahr
Hollywood liebt seine eigenen Mythen – den Glanz, die großen Namen, die Idee, dass Talent allein nicht immer ausreicht, wenn man nicht den richtigen Nachnamen trägt. „Don’t Trip“ setzt genau hier an und wirft einen satirischen, teilweise bitter-bissigen Blick auf den moralischen Verfall der Branche. Regisseur Alex Kugelman nimmt sich sowohl die Privilegien von Nepo Babys vor als auch jene, die bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen, um in diese Kreise hineinzukommen. Sein Debüt lebt stark von Will Sennetts bemerkenswerter Performance, der mühelos zwischen einem überdrehten, talentfreien Nepo Baby und einem zunehmend unberechenbaren Psychopathen wechselt. Gleichzeitig lässt Sennett aber auch tiefer blicken: Hinter Trips exzentrischem Verhalten verbirgt sich ein junger Mann, der nichts dringender braucht als die Bestätigung seines übermächtigen Vaters. Dadurch entsteht eine interessante Ambivalenz – die Frage, ob Kugelman Nepotismus wirklich kritisiert oder die Betroffenen vielmehr bedauert, weil sie nie vollständig auf eigenen Beinen stehen werden.

In seinen stärksten Momenten ist „Don’t Trip“ ebenso witzig wie angespannt. Das Drehbuch punktet besonders in der Mitte des Films, etwa in einem wunderbar absurden Camping-Ausflug, der den Humor des Films perfekt einfängt und gleichzeitig die unterschwellige Gefahr spürbar macht. Kugelman versteht es, Situationskomik mit einem stetig wachsenden Unbehagen zu verweben, das im letzten Drittel endgültig eskaliert. Genau dort wirkt der Film allerdings auch am gehetztesten: Einige Wendungen lassen sich früh erahnen und laufen zu schnell ab, was der zuvor aufgebauten Dynamik etwas die Luft nimmt. „Don’t Trip“ will viel sagen – über Hollywood, Selbstzerstörung, Anerkennung und Macht – doch am Ende fehlt ein Hauch mehr Substanz, um wirklich nachhaltig zu wirken. Trotzdem bleibt ein unterhaltsamer, gut gespielter und angenehm böser Kommentar auf eine Branche, die oft genauso absurd ist wie dieser Film.

Fazit
„Don’t Trip“ ist eine bissige Satire über Macht, Privilegien und die moralischen Abgründe Hollywoods – clever gespielt, punktgenau beobachtet, aber erzählerisch nicht immer so scharf wie seine besten Momente. Will Sennett trägt den Film nahezu im Alleingang und macht ihn trotz kleinerer Schwächen im finalen Akt absolut sehenswert.


