Scarpetta: Kritik zur Amazon Serie – Geht Prime Video mit diesem Fall baden?

Scarpetta Amazon Prime Video Serie 2026
TitelScarpetta
Genre Krimi
Jahr2026
FSK16
CreatorLiz Sarnoff 

Starttermin: 11.03.2026 | Prime Video

Prime Video seziert die Langeweile

Klammert man David Gordon Greens frühe Indie-Phase Anfang der 00er-Jahre (u. a. „All the Real Girls“) und diverse Ausflüge in düstere Charakterstudien wie „Joe – Die Rache ist sein“ (2013) einmal aus, dann bleiben vor allem zwei Säulen stehen, für die man den Regisseur heute kennt – und genau diese Säulen könnten diametraler kaum verlaufen. Auf der einen Seite wäre da exzessive Stoner-Comedy der Marke „Ananas Express“ und „Bad Sitter“, auf der anderen die gnadenlose Horror-Wiederbelebung der „Halloween“-Trilogie und des „Exorzisten“. Wenn man also liest, dass Green bei fünf der acht Folgen der neuen Amazon Serie „Scarpetta“ Regie führt, stellt sich unweigerlich die Frage, in welche Richtung das Pendel wohl dieses Mal ausschlägt? Blutig-brutal, humoristisch-leicht – oder doch in ein gänzlich unerwartetes Metier? Die Antwort fällt ernüchternd ambivalent aus, denn das Ergebnis wirkt ähnlich unentschlossen wie die konzeptionelle Fragestellung, welches Genre Amazon hiermit eigentlich bedienen will.

Scarpetta Amazon Prime Video Serie 2026
Scarpetta ©Amazon MGM Studios

Dabei ist Patricia Cornwell eine Institution: Mit über 25 Bänden und 120 Millionen verkauften Exemplaren gilt ihre Kay Scarpetta als eines der archetypischen Zugpferde des modernen Forensik-Thrillers. Ohne „Scarpetta“ gäbe es vermutlich kein „CSI“, kein „Bones“ und keine globale Obsession für die Sezierung grotesk verformter Leichname. Dass Amazon MGM Studios nun, im Zeitalter des ungezügelten Content-Appetits, diesen Stoff reanimiert, ist folgerichtig; dass sie dafür mit Nicole Kidman und Jamie Lee Curtis schauspielerische Schwergewichte rekrutieren, gleicht einem machtvollen Statement. Doch schon nach den ersten zwei Episoden manifestiert sich das bittere Gefühl, dass hier immense Ressourcen für ein Projekt aufgewendet wurden, das inhaltlich genauso steril daherkommt wie die Leichenhallen, in denen es angesiedelt ist. Im Zentrum steht Kay Scarpetta (Nicole Kidman), die sich plötzlich mit einer Mordserie konfrontiert sieht, die erschreckende Parallelen zu jenem Fall aufweist, der in den 1990er Jahren (damals gespielt von Rosy McEwen) ihre Karriere und ihr Privatleben nachhaltig erschütterte.

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Forensik-Soap statt Hochspannungsthriller

Dass es in „Scarpetta“ keineswegs humoristisch zugeht, klärt David Gordon Green bereits in den ersten Minuten: Mit genretypisch-expliziter Drastik inszeniert er gleich zu Beginn den übel zugerichteten Leichnam einer jungen Frau und weckt damit kurzzeitig die Hoffnung auf ein atmosphärisches Spektakel, das durch den Namen Blumhouse noch einmal befeuert wird. Obwohl das Logo der Horrorschmiede prominent neben dem von Amazon prangt, bleibt das genreluftatmende Versprechen reine Behauptung. Wenn wir ehrlich sind, gelingt es der 10-teiligen Original Serie kaum, eine ihrer Zusagen einzulösen – und schon offenbart die Geschichte, die auf Prime Video über die Bildschirme flimmert, das komplette Ausmaß ihrer erschreckenden Banalität. Somit entpuppt sich „Scarpetta“ als generische Gerichtsmedizin-Serie, die selbst in ihrer Kernkompetenz schnell den Fokus verliert. Anstatt die forensische Detailarbeit in den Mittelpunkt zu rücken, flüchtet sich das Drehbuch in eine soap-eske Familiengeschichte ohne jeglichen Tiefgang. Diese Unentschlossenheit spiegelt sich auch in der visuellen Beliebigkeit wider. Eine originäre Handschrift lässt sich nicht erkennen – weder die von Green noch die von Blumhouse. Die Bilder wirken seltsam steril und erinnern eher an die x-te Daily Soap mit Berufsbezug als an die abgründigen Pfade eines psychologischen Thrillers. Da helfen auch die punktuell eingestreuten, forciert düsteren Momente nicht, die wie Fremdkörper in einer ansonsten klinisch reinen Hochglanzproduktion wirken.

Scarpetta Amazon Prime Video Serie 2026
Scarpetta ©Amazon MGM Studios

Nicole Kidman („Ein neuer Sommer“, „Holland“) agiert in ihrer Rolle indes seltsam distanziert. Man hat sie in den letzten Jahren oft in der Rolle der unterkühlten Frau aus der Oberschicht gesehen – zuletzt sogar überwältigend gut in „Babygirl“ an der Seite von Harris Dickinson –, doch hier mangelt es ihrer Darbietung schlicht an der notwendigen Gravitas. Der Kriminalplot kommt derweil kaum vom Fleck, während der Großteil der narrativen Wendungen direkt dem Baukasten handelsüblicher Kriminalgeschichten entnommen scheint. Noch irritierender ist Jamie Lee Curtis („Borderlands“) als Dorothy: Sie fungiert als eine Art bizarres Comic-Relief, das völlig deplatziert in das starre Korsett der Handlung gepresst wurde. Ihre Interaktionen mit Kidman besitzen keine echte Chemie; es fühlt sich eher an wie zwei große Namen, die unverbunden nebeneinanderher monologisieren. Das macht „Scarpetta“ zum Paradebeispiel für das aktuelle Serien-Dilemma der Streamingdienste: Große Namen und eine bekannte Marke garantieren noch lange kein gutes Fernsehen. Hier wirkt nichts stimmig. Es sind lose Fäden, die für sich betrachtet kaum zum Dranbleiben einladen und im Verbund erst recht kein kohärentes Ganzes ergeben.

Scarpetta Amazon Prime Video Serie 2026
Scarpetta ©Amazon MGM Studios

Fazit

„Scarpetta“ erweist sich als enttäuschend sterile Forensik-Soap, die trotz hochkarätiger Besetzung und Blumhouse-Beteiligung weder als düsterer Thriller noch als fesselndes Familiendrama überzeugt. 

[Fazit nach zwei Episoden]

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