| Titel | Boyfriend on Demand |
| Genre | Romanze |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Creator | Kim Jung-sik |
Starttermin: 06.03.2026| Netflix
Endstation Cloud-Romanze
Beruflicher Erfolg, finanzielle Unabhängigkeit und die rastlose Jagd nach dem nächsten Karrieresprung – die (un)heilige Dreifaltigkeit einer Leistungsgesellschaft, die das Privatleben längst zum Kollateralschaden degradiert hat. Doch wer zwischen Excel-Tabellen und Vorstandssitzungen sein gesamtes Sein der Effizienz opfert, dem bleibt für die archaische Suche nach der großen Liebe schlicht keine Kapazität mehr. Das mühsame Aneinanderherantasten, die zeitfressende Kennenlernphase und das zermürbende Swipen durch die digitalen Fleischbeschauen des Onlinedatings wirken in einer durchgetakteten 60-Stunden-Woche wie ein unbezahltes Praktikum, für das man weder Nerven noch Überstundenkontingent übrig hat. Wieso also nicht in eine virtuelle Welt abtauchen, per Knopfdruck, immer dann wenn es gerade passt, in der Nähe und Liebe bereitstehen, ohne das emotionale Minenfeld realer Verpflichtungen durchqueren zu müssen? In „Boyfriend on Demand“ auf Netflix wird genau diese Utopie zur digitalen Droge für eine ausgebrannte Karrierefrau mit Vakuum im Herzen.

Im Zentrum der 10-teiligen K-Drama–Serie steht Seo Mi-rae – gespielt von Blackpink-Star Jisoo –, eine ambitionierte Webtoon-Produzentin, deren Berufsleben ihre gesamte Lebenszeit aufzufressen droht. Zieht man Schlaf, Dusche und sonstige notwendige Übel ab, die vor jedem Arbeitstag anstehen, bleibt ihr gerade mal eine Nettolebenszeit von 3,5 Stunden, bis es auch schon wieder ins Bett geht. Klar, dass da keine Zeit bleibt, um unter Menschen zu kommen oder gar die große Liebe zu finden – und eigentlich hat sie auch gar keine Lust darauf. Me-Time ist das Stichwort, und die verbringt Seo am liebsten auf dem Sofa – mit laufendem Netflix-Programm, wohlbemerkt. Doch als sich die Möglichkeit auftut, ein neues digitales Tool auszuprobieren, bei dem sie ausgerechnet die Hauptfigur ihres eigenen Webtoons daten kann, willigt sie ein – und findet darin mehr als nur warme Gefühle, sondern auch neue Muse für ihre Arbeit.

K-Pop-Starlet Jisoo im Pastell-Rausch
Die Welt von „Boyfriend on Demand“ ist ein Traum in Pastell und Rosa, inszeniert mit so viel Weichzeichner auf den klebrig-kitschigen Bildern, dass die Gesichtsränder mit der Hintergrundunschärfe des Settings zu verschmelzen drohen. Genau so liest sich auch das Skript des südkoreanischen Netflix Originals. Egal, ob sich Seo für das ultimative VR-Erlebnis hineinbegibt, bei dem mittels futuristischem, wir nennen es mal Haarreif direkt das Unterbewusstsein für die digitale Welt angezapft wird, oder ob wir uns in der gar nicht mal so rauen Realität bewegen: Sowohl die Bilder als auch die Themen verschmelzen zu einem audiovisuellen Einheitsbrei. „Boyfriend on Demand“ ist kitschig – und dazu schnell, laut, überdreht und deswegen auch ziemlich nervig. So lernt Seo also den Mann kennen, den sie einst selbst erdachte: Ein stinkreicher Erbe, der sie umsorgt – quasi das wandelnde Abziehbild einer jeden Liebesschmonzette. Doch statt sich völlig in diese Gefilde zu begeben, bricht die Serie diesen Kreislauf immerhin dadurch, dass sie das Idealbild humoristisch dekonstruiert. Am Ende ist es nämlich weniger die kitschige Liebe, die zwar vorhanden, aber nicht dominant ist. Vielmehr inszeniert „Boyfriend on Demand“ die Geschichte einer Frau, die durch die neugewonnene Leichtigkeit neue Kreativität zieht, um ihren Webtoon zu retten, der immer mehr Leserinnen verliert.

Kitschig bleibt das Ganze trotzdem! Eine entscheidende Frage drängt sich jedoch auf: Wieso eigentlich nur daten, wenn das ultimative VR-Erlebnis doch so viel mehr verspricht? Schließlich beginnt Seos Trip durch die digitale Welt – die übrigens furchtbar billig animiert ist – mit einer farbenfrohen Rettungsaktion in einer Unterwasserwelt, um ihren Traumprinzen zu befreien. Wieso nicht lieber die uneingeschränkten Möglichkeiten der Simulation ausnutzen? Fliegen? Ab ins Weltall? Aber das ist wohl eine andere Frage. Wer jedenfalls, wie Seo, täglich nur 3,5 Stunden vor dem Schlafengehen übrig hat, um auf Netflix alleine zu bingen, sollte diese Zeit lieber mit einer anderen, der unzähligen Serienproduktion füllen – oder eben doch rausgehen und sich ins echte Datingleben stürzen. Nach dieser Serie erscheint das nämlich plötzlich gar nicht mehr so schlimm.

Fazit
Ein kitschiger Pastell-Rausch, der das Problem der Einsamkeit in der Leistungsgesellschaft lieber mit billigen VR-Animationen betäubt, statt es zu erzählen. „Boyfriend on Demand“ ist am Ende so überdreht und künstlich, dass selbst mühsames Real-Life-Dating dagegen wie ein Wellness-Urlaub wirkt. Reine Zeitverschwendung für die kostbare Nettolebenszeit.
(Fazit nach zwei Episoden)


