| Titel | Other – Beautiful Monster |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | David Moreau |
Heimkinostart: 05.03.2026
Manches Gesicht sollte besser verborgen bleiben
Nachdem der rasende Zombie-Streifen „MadS“ auf den Fantasy Filmfest White Nights im vergangenen Jahr zum absoluten Hit wurde, legte der Franzose David Moreau direkt nach und präsentierte mit „Other“ auch im Folgejahr im Programm des 39. Fantasy Filmfest einen neuen Schocker. Mit einem großen Hollywoodnamen wie Olga Kurylenko („Thunderbolts“, „Misdirection: Rache sitzt tief“) im Gepäck, entwirft er darin einen klaustrophobischen Horrortrip über eine Frau, deren Rückkehr an den Ort ihrer Kindheit ungeahnte Schrecken heraufbeschwört.

Alice (Olga Kurylenko) kehrt nach dem Tod ihrer Mutter in ihr Elternhaus zurück. Dieses ist mit Überwachungskameras ausgestattet, die jeden ihrer Schritte beobachten. Als sie den Grund dafür herauszufinden versucht, beschleicht sie das Gefühl, nicht allein zu sein. Eine unheimliche Präsenz macht sich bemerkbar und führt sie Schritt für Schritt an eine schockierende Wahrheit heran.

Generischer Horror oder geniale Satire?
Wahnsinnig, hypnotisch, intensiv und trotzdem ästhetisch – das alles und noch mehr kann man über „MadS“ sagen. Umso bedauerlicher, dass David Moreaus neuester Film „Other“ genau das Gegenteil ist: laut, generisch und vorhersehbar. Beinahe so, als würde Moreau mit seinem Wechsel ins Englische bewusst auf das Niveau von Blumhouse und Konsorten herabsinken und dem Horrorpublikum mit einem Mittelfinger zurufen: „Schaut her, mit sowas gebt ihr euch doch ansonsten auch zufrieden.“ Entweder das, oder der Franzose konnte mit seinem Stilmittel der One-Take-Aufnahme in „MadS“ einfach gut verbergen, dass er kein geborener Drehbuchautor ist. Auch in „Other“ lenkt er den Fokus stark aufs Visuelle, verfremdet fast alle Gesichter – außer das von Hauptfigur Alice – und deutet damit früh an, dass das Grauen im Haus eng mit Fragen von Identität verknüpft ist. Foreshadowing schreibt Moreau groß. Die eigentliche Spannung liegt weniger im Was, das ist schnell klar, sondern im Wer und Warum. Der Weg zur Auflösung wirkt anfangs sogar vielversprechend, das Rätsel zieht sich durchgehend, doch der finale Twist ist so banal und an den Haaren herbeigezogen, dass er fast schon satirisch wirkt. Der Abspann läuft, und alles, was bleibt, ist die Frage: Das war alles?

Moreau wirft zwar viele interessante Handlungsfetzen in den Raum, doch kaum einer wird wirklich weitergedacht. Am Ende stehen mehr Fragezeichen als Antworten. Genau hier wird deutlich, dass er vielleicht wirklich mehr Talent für die Regie als fürs Schreiben hat. Außer natürlich, es ist tatsächlich eine Satire auf alte Genre-Konventionen – dann wäre das Ganze fast schon wieder genial. Doch diesen Ansatz macht Moreau nie klar. Handwerklich ist „Other“ solide: die Beleuchtung passt, die Inszenierung ist ordentlich, die Soundkulisse wirkungsvoll. Die Jump Scares sind laut, aber effektiv. Gore ist vorhanden, wird aber sparsam eingesetzt. Vor allem eine Szene tut so richtig weh: Als Alice über einen Zaun klettert und mit ihrem Finger hängen bleibt. Das erinnert zudem stark an die Eröffnungsszene von „Final Destination 6: Bloodlines“. Hin und wieder schimmert bizarrer Humor durch, der so befremdlich wirkt, dass er fast unmenschlich erscheint, als hätte er keinen Bezug zu echten Reaktionen. Ebenso schwanken Alices Entscheidungen zwischen unfreiwillig komisch und schlicht haarsträubend. Auch hier bleibt unklar, ob das Drehbuch schwach ist oder ob Moreau bewusst eine Parodie anstrebt. Obwohl er für letzteres dann eigentlich doch zu ernst bleibt. So pendelt „Other“ immer wieder zwischen Schund und subversivem Spiel mit Genre-Erwartungen – und bleibt am Ende irgendwo dazwischen hängen.

Fazit
„Other“ wirkt wie ein Film, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er ernst genommen werden will oder doch nur mit den Regeln des Genres spielt. Handwerklich zwar stimmig, inhaltlich aber zu zerfahren und mit einer Auflösung, die kaum überzeugt. Was bleibt, ist ein Horrorfilm, der zwischen Parodie und Belanglosigkeit pendelt.



