| Titel | The Vourdalak – Taste of Blood |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Adrien Beau |
Heimkinostart: 27.02.2026
Vergesset Dracula – hier kommt der Vourdalak
Alte Schlösser, düstere Gänge, flackerndes Kerzenlicht: Gothic Horror gilt als eines der ersten Genres, das den Grundstein für den modernen Horror legte. Bereits 1896 entstand mit „Das Haus des Teufels“ ein dreiminütiger Kurzfilm, der klassische Gothic Motive nutzte. Es folgte der deutsche Expressionismus mit bahnbrechenden Werken wie „Nosferatu“, der erst vor Kurzem neu aufgelegt wurde. Bis heute prägt der Gothic Horror das Genre und erlebt derzeit eine kleine Renaissance, sowohl im Fernsehen mit „The Haunting of Hill House“ als auch im Kino mit „Frankenstein“. Auch neue Filmschaffende greifen das Subgenre auf, um ihm frische Impulse zu verleihen.

So auch der französische Regisseur Adrien Beau, der sich bislang in unterschiedlichen Bereichen der Filmwelt ausprobierte und nun mit „The Vourdalak – Taste of Blood“ sein Regiedebüt vorlegt. Der Film ist eine Neuinterpretation des Buches „Die Familie des Wurdalak“, das 1840, also noch vor „Dracula“, erschien und als eine der einflussreichsten Vampirgeschichten gilt. Erzählt wird die Geschichte des Markgrafen Jaques (Kacey Mottet Klein), der nach einem Überfall sein Pferd und seine Gefährten verliert und auf der Suche nach Hilfe ist. Man rät ihm, das Haus von Gorcha (Stimme: Adrien Beau) aufzusuchen. Dort trifft er jedoch nur auf dessen Familie, die eigenartig, aber hilfsbereit wirkt. Als das Familienoberhaupt nach sechs Tagen zurückkehrt, scheint es sich auf unheimliche Weise verändert zu haben.

Gothic-Grusel trifft auf Arthouse: Ein visuelles Fest in körnigem 16mm
Regisseur Adrien Beau vorzuwerfen, er würde lediglich auf die aktuelle Gothic Welle aufspringen, wäre unfair. „The Vourdalak – Taste of Blood“ entstand bereits 2023, also noch vor den jüngsten Neuverfilmungen von „Nosferatu“ und „Dracula“. Auch stilistisch hebt sich Beau deutlich von diesen ab. Selbstbewusst geht er eigene Wege und drückt der Geschichte, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand, seinen ganz persönlichen Stempel auf. In den richtigen Momenten entfaltet der Film jene unheimliche Atmosphäre, die man von einer Gothic Verfilmung über eine Kreatur der Nacht erwartet, mischt sie jedoch mit einem trockenen, teils sehr eigenen Humor. So entsteht ein eigenwilliger Ton, der nicht immer zündet, aber gerade deshalb von Mut und Kreativität zeugt.

Auch visuell beweist Beau, dass er keinerlei Interesse an CGI-Einheitsbrei hat. Kameramann David Chizallet fängt das Geschehen stimmungsvoll auf 16mm ein, Kostüm und Setdesign wirken lebendig und authentisch. Das Herzstück ist jedoch Gorcha, der titelgebende Vourdalak. Zum Leben erweckt durch eine lebensgroße Marionette, wirkt er zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd realistisch oder menschlich. Und genau darin liegt sein unheimlicher Reiz. Ein ausgeprägter Uncanny Valley Effekt sorgt für konstantes Unbehagen. Thematisch nutzt Beau die Gothic Vorlage, um Motive zu verhandeln, die bis heute nichts an Relevanz verloren haben: Patriarchat, toxische Männlichkeit, gesellschaftliche Normen und Geschlechteridentität werden auf einfallsreiche Weise eingebunden und fungieren auf metaphorischer Ebene als der eigentliche Horror der Geschichte.

Fazit
„The Vourdalak – Taste of Blood“ ist Gothic Horror, der sich bewusst gegen Hochglanz und CGI Perfektion stellt. Adrien Beau setzt auf Atmosphäre, Handwerk und einen eigenwilligen Humor, der nicht immer trifft, dem Film aber Charakter verleiht. Die künstlich wirkende Marionette mag irritieren, doch genau darin liegt ihr verstörender Reiz. Kein gefälliger Genrebeitrag, sondern ein kantiger, kreativer Blick zurück in die Ursprünge des Horrors.



